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Okinawa Koryu Karate

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von Kenji Ushiro

Aiki News #98 (1994)

Übersetzt von Stefan Schroeder

Aikido Übende denken bei Karate oft zuerst an Wettkämpfe und Kata-Vorführungen, aber das eigentliche Karate ist etwas völlig anderes. Am 5. August 1992 besuchten wir das Dojo von Kenji Ushiro, der einen klassischen Karate-Stil praktiziert, wie er noch vor der Einführung auf den japanischen Hauptinseln auf Okinawa geübt wurde. Obwohl die Kata des Shindokai Koryu Karate in echten Kampfsituationen angewendet werden können, liegt das ultimative Geheimnis dieser Schule darin, sich keine Feinde zu machen. In diesem Artikel stellen wir mit Freude Herrn Ushiro und seinen Lehrer Nikichi Zaha vor, den obersten Lehrer des Shindokai. In weiteren Ausgaben planen wir die fünf wichtigen Shindo-Ryu-Kata auf eine Weise vorzustellen, von der Aikido-Praktizierende profitieren können.

Wenn man beginnt etwas zu lernen, muss man motiviert sein. Aber auch wenn Motivation sehr wichtig ist, gibt es doch auch weitere wichtige Faktoren, etwa den Fortschritt des Lehrers, die Qualität der Schule oder des Systems, das eigene Umfeld und die eigenen Werte und Glaubenssätze. Es ist insbesondere für Anfänger sehr schwierig herauszufinden, wie gut der eigene Lehrer ist. Gleichwohl legen der erste Stil und der erste Lehrer wahrscheinlich das Fundament deiner Techniken und die von dir als allererstes erlernten Techniken können nicht leicht überwunden werden. Daher bestimmt die Wahl deines ersten Lehrers deine weitere Entwicklung. Mit anderen Worten: Lehrer tragen gegenüber ihren Schülern eine wichtige Verantwortung und sollten sich dessen auch bewusst sein.

Der Fortschritt und technische Level Einzelner im Training unterscheidet sich innerhalb eines Stils. Diese Unterschiede werden besonders deutlich, wenn mit anderen Stilen oder Kampfkünsten verglichen wird. Persönlicher Fortschritt und technischer Level werden nicht auf gleiche Weise bestimmt, daher sollten beide auch nicht verwechselt werden. Der technische Level besteht auf einer relativen Skala, während der persönliche Fortschritt ein absolutes Konzept ist. Tatsächlich unterscheiden sich die Theorien und Werte der verschiedenen Stile. Daher ist es schwierig eine vertikale Skala anzulegen. Es ist fast unmöglich Stile miteinander zu vergleichen.

Wenn wir dies ernsthaft in Betracht ziehen - zumindest im Budo - dann sollte der technische Level auf einer vertikalen Skala bewertet werden. Um uns technisch zu entwickeln, sollten wir unter unterschiedlichen Trainern üben, auch wenn sie andere Werte und Ideen haben.

Ich habe mit Yoshinori Kono vom Bujutsu Keiko Kenkyukai Shoseikan [Verband der Kampfkunst-Trainingsforschung] gearbeitet und unser Austausch inspirierte mich. Meister Kono arbeitet mit vielen Kampfkünstlern unterschiedlicher Stile und er bewertet mein Karate ehrlich. Würde er sagen, dass mein Karate nicht so gut ist, dann würde ich etwas lernen; würde er sagen, dass es gut ist, dann würde ich ebenfalls etwas daraus lernen. Ich glaube, dass wir viel aus solchem Trainingsaustausch lernen können. Kono verfolgt seinen eigenen Weg im Budo und ich bin gespannt, wie dieser sich in der Zukunft entwickelt.

Ich habe auch noch meine eigenen Ziele. Ich bewahre das Bild von Meister Zahas Karate im Gedächtnis und möchte dies irgendwann erreichen, aber ich habe dieses Ziel noch nicht erreicht. Dies kann nicht unterrichtet werden - das kann man nur durch Tun und Fühlen erfahren. Weil dies so ist, kann ich sagen, ob mir das Training mit einer bestimmten Person hilft oder nicht. Meister Kono übt und studiert meine Techniken, deswegen übe ich gerne mit ihm.

Beim Trainingsaustausch ist es wichtig eine Verbindung einzugehen, bei der Eins und Eins nicht mehr Zwei ist, sondern Zweieinhalb. Ich möchte dies ganz klar sagen, aber ich möchte wertlose Fragen vermeiden. Konstruktive Meinungen und Fragen sind wichtig.

Während des Trainings zählt nicht nur die Quantität, auch die Qualität ist wichtig. Meister Kono sagt, es gibt einen Unterschied im Training zwischen denen, welche die Theorie verstehen und denen, welche die Theorie nicht verstehen. Es ist nicht sinnvoll einfach eine bestimmte Anzahl an Wiederholungen durchzuführen. Was meine ich mit dem Unterschied zwischen Quantität und Qualität? Es gibt zum Beispiel Trainingsmethoden zur Entwicklung von Stärke, Haltung und explosiver Reaktionsgeschwindigkeit im Budo. Einen Handgriff kann man hundert Male üben, aber was, wenn man nicht einmal einen ausführen kann, sobald die Bedingungen andere sind? Im Karate ist es in manchen Situationen wichtiger nur einen Fauststoß auszuführen als einhundert. Dieser eine Stoß ist nicht notwendigerweise das Resultat der Übung von hundert Fauststößen. Daher müssen wir über die Qualität unserer Übung nachdenken.

Ich übe Karate als Kampfkunst, daher ist die grundlegende Idee, dass ich bei der Anwendung der Technik überlegen bin. Um dies zu erreichen, muss man Vertrauen in die eigene Technik und die eigenen Verpflichtungen haben. Wer Selbstvertrauen erwirbt, der kann andere Menschen in sich einschließen. Man sieht das Herz eines Menschen, indem man ihn nur anschaut. Man erkennt, ob eine Person gefährlich ist. Es gibt ein Sprichwort im Karate: “Nicht getroffen werden, nicht treffen.” Diese Worte sind wichtig. Man muss in der Lage sein, einen beliebigen Angriff zu stoppen.

Ich begann mit dem Karate, als ich an die Universität kam. Ich war sehr eifrig. Am Anfang gab es fünfzig oder sechzig Mitglieder im Club. Als ich mein Studium beendete, waren davon noch fünf übrig geblieben. Ich blieb zwei weitere Jahre am College. Während meines fünften Jahres kämpfte ich im Zweiten All-Japan Karate-Do-Tournament. Ich kämpfte auch in vielen anderen Wettkämpfen.

Ich begann 1975 mein Karate in Frage zu stellen, nachdem ich von Osaka nach Miyazaki gezogen war. Diese Umorientierung wurde von meinem Treffen mit Meister Nikichi Zaha veranlasst, dem obersten Lehrer des Shindokai. Zaha-Sensei war auch mein wichtigster Lehrer in College Karate-Club, aber er lebte in Osaka und kam er nur zweimal im Jahr nach Miyazaki um Prüfungen abzunehmen. Ich kannte ihn nicht wirklich. Wenn er im Club war, schien er mir zu großartig, um sich mit jemandem wie mir abzugeben. Mein Zugang zu Karate änderte sich völlig, nachdem ich Zaha-Senseis Demonstrationen sah und seinem Vorträgen zuhörte, besonders nachdem ich sein Kumite (Sparring), seine Wurftechniken und seine Hebeltechniken kennen gelernt hatte.

Einmal war ich mit Sensei bei einem All-Japan College Karate Einzel-Wettkampf, das in der Halle des Osaka Central Sportzentrums abgehalten wurde. Einer der höheren Schüler unseres Vereins trat gegen einen Vertreter aus Kyushu an. Während des Kampfes nahm der Gegner meines Kameraden von der Takushoku-Universität einen linken Stand ein. Sensei merkte an, mein Kamerad würde in Schwierigkeiten kommen, falls er eine Finte versuchen würde. Kurz darauf wurde er von zwei hohen Tritten getroffen und sank bewusstlos zu Boden. Er gewann das Match wegen Fouls. Es wurde gefragt, wer unseren Kameraden kennt, also sahen wir nach ihm. Sein Kiefer war gebrochen.

Ein weiteres Beispiel von Meister Zahas Verständnis des Karate ereignete sich ebenfalls während der All-Japan Wettkämpfe in den Osaka Central Sportanlagen. Sensei und ich sahen den Wettkampf von den Rängen; Sensei zeigte auf einen der Kämpfer und behauptete, dieser würde wahrscheinlich den Wettkampf gewinnen. Er gewann, genauso wie mein Meister es vorhergesagt hatte. Er kommentierte dies: “Ich betrachte seine Fähigkeit aus der Budo-Perspektive.” Ein anderes Mal übte ich bei Sensei zu Hause Kumite. Als ich einen Stand einnahm, fragte er: “Wollen Sie einen Tritt anbringen, Herr Ushiro?” “Jetzt einen Fauststoß?”, bevor ich mich auch nur gerührt hatte. Ich war schockiert und fragte mich, wie Sensei meine Absichten erraten hatte. Ich fragte ihn, wie er meine Bewegungen vorhersehen konnte. Er antwortete mir, dass ich mit dem eingenommenen Stand nur treten könnte oder nur stoßen könnte. Ich hatte dies nicht bemerkt - aber ich verstand nun, dass ich immer aus einem bestimmten Stand getreten hatte und aus einem anderen Stand gestoßen.

Durch diese Erfahrungen bemerkte ich, dass mit meinem Karate etwas nicht in Ordnung war. Zur gleichen Zeit war ich wegen dieses Zaha-Karate wirklich aufgeregt, das sich so sehr von meinem Karate unterschied.

Seitdem bemerke ich viele Dinge, die mir vorher entgangen waren - und ich erkenne den Unterschied. Insbesondere hat sich mein Zugang zu Schnelligkeit und Kraft völlig gewandelt. Ich kann nun sagen, dass ich mich falsch orientiert hatte.

Nun bekam ich Schwierigkeiten, da ich die Unterschiede sehen konnte und was sie bedeuteten, jedoch war ich nicht in der Lage mich so zu bewegen, wie ich wollte. Was ich vorher so sorgfältig erlernt hatte, hinderte mich nun daran meine Bewegungen zu verändern. Täglich arbeitete ich daran, das ehemals Gelernte zu vergessen. Das Training war sehr hart, aber ich hoffte mich zu verbessern, deshalb gefiel es mir. Ich glaubte, dass dies der erste Schritt in die Richtung war, die mir mein Lehrer gezeigt hatte.

Was ist Schnelligkeit oder Kraft? Mein Karate hing vorher von meiner Kraft ab. Aber ich bemerkte, dass es genau diese Kraft war, die mich nun behinderte. Jetzt weiß ich, dass Kraft nicht nötig ist. Sensei forderte mich oftmals auf, die Techniken ohne Kraft zu üben, aber wenn ich es versuchte, waren meine Techniken schwach. Ich wusste nicht, wie ich die Techniken ohne Kraft anwenden sollte. Schließlich fand ich heraus, dass wahre Kraft von explosiver Geschwindigkeit kommt, und dass Geschwindigkeit sich auf natürliche Weise ergibt, wenn ein korrekter Stand eingenommen wird - tatsächlich basiert Karate auf dem korrekten Stand.

Diese wichtigen Dinge müssen zum Verständnis des Karate erlernt werden. Es wirkt sich erheblich auf die Techniken aus, wenn man sie nicht beachtet. Vielleicht geht dies zu weit, aber ich glaube, dass sich durch das Lernen dieser Konzepte meine ganze Sicht auf die Welt geändert hat.

Während Prüfungen erinnert mich mein Lehrer oft an drei Dinge: “Metsuke, Shisei, Shunpatsu ryoku” (Augen, Haltung, explosive Kraft). Ich bewahre diese Worte im Gedächtnis, sowohl für mich, als auch für meinen Unterricht.

Angriff und Verteidigung sind eins. Dieses Sprichwort ist besonders wichtig, besonders im Shindokai. Wenn man die wahre Bedeutung von Verteidigung versteht, dann verändern sich die eigenen Techniken, Kata und Sparring. Im Shindokai gibt es kein Wort für Annahme oder Block. Wir sagen: “Stell dir vor, der Angreifer würde mit einem Messer nach dir stoßen.” Wenn man einen Messerangriff mit den bloßen Händen blockt, dann wird man verletzt werden. Das Wort “Bogyo” (“Verteidigung”) bezieht sich im Shindokai auf Angriffe. Wir lehren, dass Angriff und Verteidigung eins sind. Ein Fauststoß wird zum Block, ein Block wird zum Stoß. Also verbergen sich Blocks in den Angriffen und hinter der Verteidigung verbirgt sich der Angriff.

Für gleichzeitigen Angriff und Verteidigung muss der Stand gut sein, entlang eines Winkels auf dem der Gegner nicht angreifen kann. Wenn man zum Beispiel glaubt mit einem guten Stand anzugreifen, könnte der Angriff nicht gut genug sein. Stattdessen kann man am Ende schlechter dastehen, wenn der Angreifer eine bessere Verteidigung hat. Im Shindokai verwenden wir den Begriff “Bogyo” als das Prinzip der Einheit von Angriff und Verteidigung.

Zaha-Sensei sagt oft, dass das hohe Ziel des Budo darin besteht, zu gewinnen ohne mit dem Gegner zu kämpfen. Man soll also niemanden zum Feind machen. Man muss seinen Gegner lieben und respektieren. Um dies zu erreichen, muss man Disziplin und Selbstvertrauen aufbringen. Sanftheit und Ernsthaftigkeit müssen in einem wohnen. Man darf nicht versuchen sich ohne Vertrauen zu verteidigen. Vertraue den eigenen Techniken. Ich denke also, dass man lernen und arbeiten muss, um die eigenen Techniken zu verbessern, so dass sie dir zu eigen werden.

Man kann durch hartes Training “gewinnen, ohne zu kämpfen”, man wird in der Lage sein, die Gedanken des Gegners zu lesen, indem man in seine Augen schaut. Darüber herrscht Einigkeit in den Kampfkünsten. Es ist sehr wichtig.

Kenji Ushiro Profil

Meister Ushiro ist 1949 in Miyazaki geboren. 1967 trat er dem Miyazaki University Karate-do Club bei, dem drittältesten Karate-Club in Kyushu. Ushihro widmete sich dem Wettkampf-Karate und kämpfte in vielen Wettkämpfen. Nach dem Abschluß zog er nach Osaka und traf Nikichi Zaha, den führenden Lehrer des Shindokai. Er begann an seinem wettkampforientierten Karate zu zweifeln und erlernte das Karate im Okinawa-Zaha-Stil von Meister Zaha.

Ushiro glaubt, dass die gefährlichste Waffe für den waffenlos Kämpfenden das Schwert ist, also erlernte er Muso Kijiden-Ryu Iai. Seitdem gewann er mehr als neunzig Iaido Demonstrations-Wettkämpfe. Er arbeitet außerdem als Programmierer und lehrt das Okinawa-Koryu-Karate nebenbei. Er hat sich der Verbreitung von Zaha-Karate verschrieben und trägt den Titel Shindo-Ryu-Renshi (5. Dan). Im Iaido hält er ebenfalls den 5. Dan.

Shindo-ryu Okinawan Karate und Nikichi Zaha Shihan

Shindo-Ryu wurde von Choshin Chibana begründet, einem Karateka von Okinawa. Es ist mit dem Shorin-Ryu verwandt, dem klassischen Stil des Okinawa-Karate. Choshin Chibana ist 1885 in Shuri, Okinawa geboren. Er erlernte Shurite (Karate) von Munehide Matsumura und Yasutsune Itosu. Später entwickelte er seinen eigenen Stil mit dem Namen Shorin-Ryu.

Nikichi Zaha ist am 5. März 1914 in Naha City, Okinawa geboren. Er begann das Karate als Kind bei Choshin Chibana. Er lernte auch von seinem älteren Bruder Jiro Zaha, der an Chibanas Dojo unterrichtete und einer der besten Schüler dort war. Jiro, der im Zweiten Weltkrieg fiel, war so stark, dass immer wenn irgendwo gekämpft wurde, dieser Kampf meist sofort beendet wurde, wenn jemand rief: “Holt Zaha!”

Herr Nikichi Zaha zog nach Osaka und wurde Assistenzlehrer von Morijiro Sakihama, einem Schüler von Kinjo Kanimori, dieser war ein Weggefährte von Nikichi Zaha. Zaha wurde 1951 Shihan des Miyazaki University Karate Clubs.

Zunächst hieß Zahas Schule “Goju-Ryu Shindokai”. Um jedoch das Koryu-Karate von Okinawa zu bewahren, benannte er es 1983 in Shindo-Ryu Karate-Do Shindokai um. Er widmet sich dem Unterricht im klassischen Karate als Budo und unterrichtet Kinder.

Karate aus der Sicht eines Aikidoka von Stanley Pranin

Einem Karate-Experten wie Meister Ushiro gegenüber zu stehen ist eine erhellende und demütig stimmende Erfahrung. Die erste und offensichtlichste Überraschung ist die unglaubliche Geschwindigkeit mit der Ushiro-Sensei seine Fauststöße und Tritte absolviert. Einem Karate-Wettkampf oder einem Boxkampf zuzusehen und einem hochbegabten Karateka gegenüberzustehen sind zwei völlig verschiedene Dinge.

Mit wurde klar, dass die Geschwindigkeit und das Timing mit denen sich jemand mit Ushiro-Senseis Fähigkeiten bewegt jede Möglichkeit einer “Reaktion” ausschließt. Mit anderen Worten: Der Angriff ist so gut abgestimmt und ausgeführt, dass weder Zeit noch Raum ausreichen, um den Angriff zu erkennen und darauf zu reagieren, nachdem der Angriff gestartet wurde. Die einzig übrigbleibende Alternative ist den Angriff vorherzusehen und selbst eine Bewegung einzuleiten. Dies ist eine Dimension der Hyper-Achtsamkeit, die oft vom Aikido-Begründer Morihei Ueshiba erwähnt und demonstriert wurde; für die meisten Aikidoka jedoch wird solch eine Ebene der Ausführung unerreichbar bleiben.

Lassen wir die Diskussion beiseite, ob es für einen Aikidoka theoretisch möglich ist, mit einem solch schnellen Angriff umzugehen. Tatsächlich ist dies sehr unwahrscheinlich, da das Aikido-Training dazu neigt vergleichsweise langsam zu sein. Wie soll man vernünftig annehmen, dass man plötzlich mit kraftvollen und schnellen Angriffen umgehen kann, wenn das Aikido-Training zu zwanglos ist? Wir müssen unsere Erwartungshaltung gegenüber der Effektivität der Aikido-Techniken in einer ernsten Konfrontation herunterschrauben oder unsere Trainingspraxis ändern und also schnelle, kraftvolle Angriffe in unser Training einbeziehen.

Um auf diese Weise üben zu können, wäre es zunächst einmal nötig, die grundlegenden Angriffstechniken zu erlernen, an denen es derzeit so arg mangelt. Dies würde bedeuten, das Aikido-Training um den Unterricht im Stoßen und Treten zu erweitern. Ich bin sicher, dass der Vorschlag Karate- oder Boxelemente in das Aikido-Training einzubauen kontrovers diskutiert und auf viel Widerstand treffen würde. Ich sehe jedoch keine Alternative. Der schwache und unrealistische Angriff, der im Aikido praktiziert wird, ist einer der großen Schwachpunkte der Kunst und einer der häufigsten Gründe für Kritik.

Wie jeder Aikido Übende weiß, basiert das Training auf einer Art “Gentlemans Agreement”. Wir greifen relativ einfach und langsam an und warten geduldig darauf, geworfen zu werden. Dieser Ansatz mag aus Gründen der Sicherheit für Anfänger angemessen sein, aber fortgeschrittene Schüler müssen sich zunehmend stärkeren Angriffen und unvorhersehbaren Manövern des Angreifers aussetzen, um sich zu verbessern.

Während unseres Besuches bei Ushiro-Sensei begleitete uns Yoshinori Kono-Sensei, der ein interessantes beidhändiges Manöver zeigte, an dem er derzeit arbeitet, um schnelle Angriffe abzuwehren. Es ist ein interessanter Ansatz und - da mir eine bessere Beschreibung fehlt - wie ein abgekürzter Irimi-Nage aussah. Falls ich das richtig verstehe, war der Anreiz zur Entwicklung dieser Technik der Austausch von Kono-Sensei mit Ushiro-Sensei. Meine eigenen Augen öffneten sich für die vielen Vorteile des freundschaftlichen Austauschs zwischen Budoka unterschiedlicher Stile hinsichtlich der Verbesserung und des gegeseitigen Verständnisses.