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Ausländer wollen meistens mehr über O-Sensei wissen

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von Stanley Pranin

Aiki News #31 (September 1978)

Übersetzt von Stefan Schröder

Dieser Artikel wurde durch die freundliche Unterstützung von Jason Wotherspoon aus Australien ermöglicht.

In einer kürzlich erschienenen Ausgabe der Aiki Shimbun, der vom Hombu-Dojo herausgegebenen Zeitung in japanischer Sprache, las ich mit Interesse ein Interview mit Aikido-Doshu Kisshomaru Ueshiba und Herrn Guy Bonnefond, einem der Vorsitzenden der International Aikido Federation. Durch die Äußerungen von Herrn Bonnefond war es möglich, einen Einblick in die Organisationsstruktur des Aikido in Europa generell und insbesondere in Frankreich zu bekommen. Der Status des Aikido in diesem Land ist durch von der Regierung anerkannte Qualifikationen von Lehrern und durch die Autorisierung von Graduierungen eine ganz andere, als in Ländern wie Japan oder den Ländern Nordamerikas, wo eine relativ freie Atmosphäre im Hinblick auf Regierungseinfluß auf die Kunst existiert. Es interessant, die Langzeit-Effekte dieser beiden Systeme zu beobachten.

Ein anderer Kommentar von Herrn Bonnefond fiel mir besonders ins Auge: “Die Aikidoka außerhalb Japans wollen meistens etwas über O-Sensei erfahren.” Woran liegt es, dass Aikidoka im Ausland (Japans) ein solches Interesse am Leben von Ueshiba-Sensei haben? Ich denke, ein wesentlicher Grund ist die bessere Erkennbarkeit der Originalität von O-Senseis Schöpfung, wenn man sie aus einiger Distanz betrachtet. Das japanische Volk hat eine lange, vielfältige Tradition der Kampfkünste, mit vielen hervorragenden Persönlichkeiten, wie Miyamoto Musashi, Yagyu Jubei, Kano Jigoro, usw. Weiterhin wird die Erinnerung an diese berühmten Krieger der Vergangenheit durch eine, wenn auch auf phantasievoll ausgeschmückte Weise, durch Bücher, Filme und ähnliches am Leben erhalten. Eine einzelne Person steht also, selbst wenn sie ein Kampfkunst-Genie wie Morihei Ueshiba ist, in einer solchen Anhäufung von Giganten, dass seine Einzigartigkeit und seine Beiträge leicht übersehen werden können.

Von außen betrachtet jedoch, ist die Tatsache, dass O-Sensei eine vom technischen und ideologischen Standpunkt aus neuen Kampf-Weg (“Do”) erschaffen hat, deren erklärtes Ziel ist, die Kampfkünste selbst überflüssig zu machen, erstaunlich und ziemlich revolutionär in einer Welt, die von verschiedenen Völkern bewohnt wird, die sich gewohnheitsmäßig der Gewalt zuwenden, um ihre politischen und sozialen Bedürfnisse zu befriedigen.

So ist es nicht überraschend, dass Mr. Bonnefond und so viele andere ihren Wunsch ausdrücken, mehr über das Leben und die Persönlichkeit des Gründers Morihei Ueshiba zu erfahren. Diese Informationslücke zu füllen war zumindest teilweise der Grund für die Gründung von Aiki News 1974. Vielleicht wird die Publikation in einem dreisprachigen Format (Englisch, Japanisch, Französisch) es einer größeren, internationaleren Leserschaft ermöglichen, die Strapazen und die Erfolge im Leben O-Senseis zu verstehen, die er auf dem langen Weg der Erschaffung des Aikido erlitten und gefeiert hat.

[Bemerkung: Ende der siebziger Jahre erschienen einige Ausgaben der Aiki News auf französisch, sie sind leider nicht mehr erhältlich.]