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Morihiro Saito (1)

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von Stanley Pranin

Aiki News #32 (December 1978)

Übersetzt von Franziska Hochwald


Der folgende Artikel wurde mit freundlicher Unterstützung von Jason Wotherspoon und Patricio Marshall ausgearbeitet.

Am 10. September 1978 besuchte das Aikinews Team Morihiro Saito Shihan, Dojo Cho des Ibaraki Dojo und Bewahrere des Aiki-Schreins in Iwama, Ibaraki, Japan. Wir fragten Saito Sensei nach seiner gemeinsamen Zeit mit O-Sensei, seinen Trainingsmethoden, seinen Ratschlägen für Aikidoka. Anwesend waren auch mehrere hochrangige Schüler des Iwama Dojo, die gerade ihr sonntägliches Morgentraining absolviert hatten sowie zwei Gäste aus der Iwate Präfektur. Dank der Gastfreundlichkeit von Frau Saito fand das Interview in einer geradezu familiären Atmosphäre statt.

Herausgeber: Saito Sensei, soweit ich weiß haben Sie O-Sensei kurz nach dem Krieg kennen gelernt. Wie kam es, dass Sie sich dazu entschlossen Aikido zu machen? Könnten Sie bitte von Ihren Erinnerungen aus dieser Zeit erzählen?

Saito Sensei: Als ich ein Jungspund war, bewunderte ich die großen Schwertmeister wie das jeder tat. Ich kaufte Zeitschriften darüber und las über Leute wie Goto Matabe und Yagyu Jubei. Denn in der Zeit, in der ich aufwuchs, vor und während des Krieges, musste sich ein Junge schämen, wenn er weder Judo noch Kendo konnte. Natürlich waren Kendo und Judo Teil der Schulbildung, und ich entschied mich für Kendo. Dann kam das Ende des Kriegs. Damals war es verboten Waffen zu tragen. Man durfte nicht einmal ein kleines Messer dabeihaben. Also begann ich in die Shudokan Halle nach Meguro zu gehen, denn ich dachte mir, es könnte gefährlich sein, wenn man gar keine Kampftechnik beherrscht. In Meguro wurde Shito-ryu-Karate unterrichtet, der Lehrer war auch Professor an der Nihon Universität. Ich trainierte dort sehr hart; aufgrund meiner familiären Situation arbeitete ich damals in Tokio.

Dann wurde ich nach Iwama versetzt, also konnte ich in Tokio nicht mehr trainieren. Also ging ich in ein Dojo nach Ishioka. Das war ein Judo-Dojo. Damals dachte ich, wenn man beides kann, Karate und Judo … Judo ist gut im Handgemenge, und auch Karate ist besser als Kendo, weil man die Füße benutzen kann. Aber Kendo ist besser, wenn man eine Waffe hat. So dachte ich, dass ich mich vor nichts und niemand fürchten müsste, wenn ich Kendo, Karate und Judo kann. Aber da war dieser alte Mann der seltsamen Techniken machte, oben in den Bergen bei Iwama. Einige Leute sagten, er mache Karate, und ein Judo-Sensei sagte mir, es werde „Ueshiba-ryu Judo“ genannt.

Wie auch immer, da oben war es beänstigend, und ich hatte Angst da hinzugehen. Ich hatte ein sehr komisches Gefühl und es war unheimlich, aber trotzdem beschlossen einige meiner Freunde und ich mal hinzugehen und uns das anzusehen. Aber meine Freunde fürchteten sich zu sehr und tauchten gar nicht erst auf. Also ging ich alleine hin. Das war in der heißen Jahreszeit und ich ging früh morgens hin. O-Ssensei war hier drüben und machte sein Morgentraining. Sei Haus war da drüben. Minoru Mochizuki, der vor vielen Jahren dann nach Italien und Frankreich ging, saß dort drüben. „Sensei ist dort“, sagte er zu mir und ich rannte dorthin. Akio Kano, Tadashi Abe, der in den frühen Tagen nach Frankreich ging, un deiner der Söhne aus der berühmten Ishihara Industrie Familie, die drei trainierten mit O-Sensei. Dann ging ich in den Raum, der heute der Rokuno Jo ist, der Vorraum, und als ich da saß, kamen O-Sensei und Herr Abe herein. Als O-Sensei sich hinsetzte, legte ihm Herr Abe sofort ein Kissen hin. Er bewegte sich wirklich schnell, wenn er O-Sensei half. Dann starrte er mich an.

Im Vergleich sah das Judo-Dojo wie ein Spielzimmer aus, mit all den Kindern, die da herumrannten. Das Karatedojo war ziemlich ruhig, aber das Judo Dojo war wie ein Freizeitpark. Das war einer der Gründe, warum ich keine Lust mehr auf Judo hatte. Wenn es zum Kampf kommt, kann ein Angreifer treten oder schlagen, wie es ihm gerade passt, aber ein Judoka hat dagegen keine Verteidigung. Also wurde ich unzufrieden mit meinem Judotraining. Eine andere Sache war, dass beim Training die Fortgeschritteneren die Jüngeren warfen und sie für ihr eigenes Vorankommen benutzten, aber wir jüngeren durften nur ein bisschen werfen, wenn die Älteren einmal gute Laune hatten. Ich fand das sehr egoistisch, arrogant und unbescheiden … na ja, jetzt beschwere ich mich zu viel. O-Sensei wird wütend werden. … wie auch immer, O-Sensei fragte: „Warum willst du Aikido lernen?“ Als ich antwortete, ich würde es gerne lernen, wenn er mich unterrichtete, fragte er mich: „Weißt du, was Aikido ist?“ Ich hatte ja keine Möglichkeit gehabt, irgendetwas darüber zu wissen. Dann sagte Sensei: „Ich werde dir beibringen, wie man mit dieser Kampfkunst der Gesellschaft und den Menschen dienen kann.“

Ich hatte keine Ahnung, dass eine Kampfkunst Gesellschaft und Menschen dienen könnte. Ich wollte nur stark werden. Inzwischen habe ich es verstanden, aber damals habe ich überhaupt nichts kapiert. Ich denke, O-Sensei war damals spirituell schon sehr weit. Ich hatte Kampfkünste nur trainiert, um stark zu werden. Als er sagte: „zum Wohle von Gesellschaft und Menschen“ hatte ich meine Zweifel, wie eine Kampfkunst sich für so einen Zweck eignen könnte, aber weil ich sehr begierig darauf war, als Schüler angenommen zu werden, antwortete ich unwillig: „Ja, ich verstehe.“ Als ich auf der Matte im Dojo stand, meine Hemdsärmel aufrollte und bei mir dachte: „Na ja, wo ich doch schon den ganzen Weg hierher gekommen bin, kann ich ja auch ein paar Techniken lernen“, sagte O-Sensei: „Komm her und schlag mich!“ Also ging ich los um ihn zu schlagen und fiel hintenüber. Ich weiß nicht ob es Kotegaeshi war oder was, aber ich wurde geworfen. Dann sagte er: „Komm her und trete mich!“ Also ich versuchte ihn zu treten überschlug ich mich. „Komm und greif mich!“ Ich versuchte, ihn im Judo-Stil zu greifen und wieder wurde ich geworfen ohne zu wissen wie. Mein Hemd und meine Hosen waren zerrissen. Sensei sagte: „Komm und trainiere, wenn du magst.“ Damit verließ er die Matte.

Mit einem Seufzer der Erleichterung dachte ich, dass ich angenommen war, weil Sensei mir ja gesagte, ich solle kommen und trainieren, wenn ich wollte. Aber Herr Abe sagte zu mir: „O-Sensei kann Leute einschätzen. Nach dem was er gesagt hat, sieht es so aus, als wärest du akzeptiert. Aber wir haben eine Organisation, den Aikikai, und wir können dich nicht aufnehmen, ohne die Angelegenheit vorher zu diskutieren. Warte drei Tage. Kürzlich kam ein Mann von Hokkaido und sagte: ‚Ich werde Aikido machen, komme was wolle.’ Wir sagten ihm, er solle bei der Aikido-Stunde zusehen, aber er ging am nächsten Tag nach Hause und sagte, er wolle es noch mal überdenken.“ Ich fühlte mich durch Herrn Abes Worte verletzt, also sagte ich: „Ich werden dabei bleiben solange mein Körper am Leben ist.“ Es bedeutete nichts. Herrr Abe wollte mich nur austesten. Als ich dann Aikidoschüler wurde merkte ich, dass Herr Abe sich gut um die Anfänger kümmerte. Er unterrichtete uns in einer freundlichen und höflichen Weise. Ich schätze ihn immer noch sehr. In derselben Weise, wie Herr Abe in einer liebevollen Weise wie ein Bruder von Herrn Tohei unterrichtet worden war, als er anfing, wurde ich im Gegenzug von ihm liebevoll wie ein Bruder unterrichtet.

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