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Katsuaki Asai

von Stanley Pranin

Aiki News #94 (Winter/Spring 1993)

Übersetzt von Stefan Schröder

Katsuaki Asai-Shihan ist vom Aikikai Hombu-Dojo im Alter von 23 Jahren als Aikido-Lehrer nach Deutschland gesandt worden. 1967 gründete er den Aikikai Deutschland und hat sich seitdem der Verbreitung des Aikido in diesem Land gewidmet. Shihan Asai erlaubt uns hier einen kleinen Einblick in seine nun schon 26 Jahre andauernden Bemühungen, die zur Gründung und Entwicklung des Aikikai Deutschland führten.

Eintritt in das Aikikai Hombu-Dojo mit 13

Wann sind Sie dem Aikikai-Hombu-Dojo beigetreten?

Ich war gerade in der Junior High School. Mein genaues Beitrittsdatum ist der 31. März 1955. Meine Aikikai-Mitgliedsnummer ist 402.

Wie kam es, dass Sie so früh in das Dojo eintraten?

Ich hatte eine Rauferei verloren! Ich war zu der Zeit sehr klein. Mit 13 war ich gerade 4’7 (ca. 140 cm) groß! Ich wollte etwas lernen, mit dem ich mich trotz meines kleinen Körpers verteidigen kann. Ich wohnte zufällig schräg gegenüber des Hombu-Dojo und stand oft mit den Nachbarskinder auf Apfelkisten vor den Büschen, die das Dojo umgaben.

Dann haben Sie wohl auch O-Sensei gesehen …

Ja. Wenn wir sahen, wie O-Sensei Männer wie Hiroshi Tada-Sensei herumwarf, staunten wir über die Kraft, die der alte Mann haben musste.

Welchen Eindruck hatten Sie von O-Sensei?

Eindrücke? Das ist eine schwierige Frage. Ich war ein Kind und wusste nicht, dass Ueshiba-Sensei ein berühmter Lehrer war.

Welches waren die zu dieser Zeit führenden Schüler im Aikikai Hombu-Dojo?

In der Reihenfolge ihres Eintritts waren dies Herr Nobuyoshi Tamura, Herr Nishiuchi, Herr Yoshio Kuroiwa, dann ich, Herr Masamichi Noro [Begründer des Ki no Michi, heute in Paris] und Herr Yasuo Kobayashi. Leute wie Herr Yoshimitsu Yamada [New York Aikikai], Herr Kazuo Chiba [San Diego Aikikai], Herr Seiichi Sugano [New York Aikikai] und Herr Mitsunari Kanai [New England Aikikai] kamen erst viel später dazu. Um 1959 wechselte Mitsugi Saotome [Gründer der Aikido Schools of Ueshiba in den USA.] vom Kuwamori Dojo zum Hombu-Dojo. Neben den Uchi-deshi waren dort noch Leute wie Herr Ikuo Iimura, Herr Kubodera, Herr Matoba, die großartiges Ukemi beherrschten, außerdem Herr Sakai und Herr Hiroshi Kato.

Welches waren Ihre Lieblingslehrer im Hombu-Dojo?

Ich möchte das Wort “liebste” nicht verwenden, aber wenn Tada-Sensei mich warf, war es immer sehr gut. Er warf mich immer sehr weit, sehr dynamisch. Wenn er bei mir Kotegaeshi anwendete, schwebte ich durch die Luft und es fühlte sich richtig an.

Ich glaube, dass Aikido-Praktizierende verstehen was ich meine. Es gibt Leute, die werfen dich und es fühlt sich gut an und es gibt das Gegenteil.

Wer hat Sie noch stark beeinflußt?

Koichi Tohei-Sensei [Gründer des Shinshin Toitsu Aikido] tat dies. Von Meister Tohei Sensei habe ich gelernt, wie man erklärt. Tohei Sensei hatte in Amerika unterrichtet und wußte wie man die Dinge so darstellt, dass Europäer sie gut verstehen können. Ich verwende Tohei-Senseis Methode, um meine Lehre zu erklären.

Waren Sie selbst Uchi-deshi [Schüler, der im Dojo lebt]?

Nein. Ich hatte einen schlechten Eindruck von den Uchi-Deshi dieser Zeit. Da ich gegenüber dem Dojo lebte, bin ich einfach täglich hinübergegangen; dort konnte ich diese Männer sehen, die wie verrückt trainierten und die einfach anders waren als die anderen. Es gab wirklich einen großen Unterschied zwischen den Leuten, die O-Sensei als Uchi-Deshi sehr nahestanden und jenen, die von außerhalb kamen. Man sollte das genau unterscheiden.

Wer waren zu dieser Zeit die Uchi-deshi?

Tamura, Nishiuchi und Noro. Dann später Yamada, Chiba, Sugano und Kanai.

Das tägliche Training

Sensei, wie war das Training damals?

Ich habe gewissenhaft jeden Tag trainiert. Am Anfang ging ich in die Morgen-Klasse, um 6:30, dann ging ich heim, zog mich um, um dann zur Schule zu gehen. Diesen Rhythmus behielt ich ein halbes Jahr bei, dann ging ich in die Abend-Klasse. Das Training war damals anders als heute, es waren nicht soviele Leute bei einer Unterrichtsstunde.

Hat O-Sensei es damals nicht viel über Shinto-Themen referiert, statt Techniken zu lehren?

Damals war ich kein sehr würdiger Schüler. Im Winter hat O-Sensei manchmal 40 oder 50 Minuten gesprochen und meine Füße wurden ganz weiß und ich habe das Gefühl in den Beinen verloren, egal wie sehr ich sie massierte. Ich dachte mir: “Ich hoffe der alte Mann kommt bald zum Schluß” und “warum spricht er nur über all diese Dinge?” Ich hoffte nur, dass er bald aufhörte! Diese Einstellung war für mich okay, solange ich in Japan war, denn schließlich war O-Sensei immer da. Aber als ich nach Deutschland ging, bekam ich ein Problem. Ich habe zehn Jahre Unterricht von O-Sensei bekommen und habe seine Lehren in meinem Gedächtnis aufgezeichnet. Die Leute fragen mich oft, worüber der Gründer gesprochen hat und ich frage mich das selbst. Ich unterrichte nur das, was ich auch selbst verstanden habe.

Abreise nach Deutschland

Sensei, wann sind Sie nach Deutschland gegangen?

1965, mit 23 Jahren.

Wie kam es dazu?

Ich hatte gar nicht vor nach Deutschland zu gehen. Ein anderer Aikidoka, der aber nicht zum Hombu-Dojo gehörte, hatte Doshu gebeten nach Deutschland geschickt zu werden. Der Judo-Club von Münster wollte sich um alles weitere kümmern. Nachdem der Mann aber sein Visa schon bekommen hatte, stellte sich heraus, dass er doch nicht gehen konnte. Doshu musste schnell einen Ersatz finden und hat mich gebeten zu gehen. So war das.

Haben Sie gleich zugestimmt?

Nein, zunächst fragte ich, ob nicht jemand anderes gehen könnte. Zu der Zeit wurden aber viele Leute vom Hombu ausgeschickt, besonders Uchi-Deshi waren knapp: Noro war in Frankreich, Tada in Italien, Nobuyoshi Tamura in Marseille, Yoshimitsu Yamada in New York und Seiichi Sugano in Australien. Da ich mich nicht gleich entschliessen konnte, sagte ich ihm erst nach einem Monat zu.

Sie waren doch zu der Zeit bereits fest angestellt.

Ja, nach Abschluss der Universität begann ich zu arbeiten. Tamura-Sensei lud mich zu dieser Gelegenheit ein, mit ihm nach Frankreich zu kommen, aber ich dachte, ich müsste an die Zukunft denken und ein Leben als Angestellter führen.

Probleme mit dem Deutschen Judo Bund

Sensei, was geschah in Deutschland nach Ihrer Ankunft?

Am 17. Februar 1966 teilte mir der Deutsche Judo Bund folgendes mit:: “Da der Deutsche Judo Bund eine große Organisation ist, können wir Ihnen helfen, Aikido zu verbreiten, falls Sie dem DJB beitreten. Asai, falls Sie sich bereit erklären ein halbes Jahr in unserem Auftrag zu arbeiten, bekommen Sie für das nächste halbe Jahr freie Hand, mit der Einschränkung, dass Sie nur unterrichten und Prüfungen und Verwaltung unserer Organisation überlassen.”

Ich lehnte dieses Angebot ab. Zu dieser Zeit gab es in Deutschland keinen Aikido-Lehrer, der höher graduiert war als ich. Ich war der offizielle Abgesandte des Hombu-Dojo. Ich konnte einfach nicht mit dem Deutschen Judo Bund zusammenarbeiten. Im Juli 1966 habe ich nach einer Einladung des DJB ein einwöchiges Seminat in Travemünde geleitet. Das war das einzige Mal, dass ich von denen Geld bekam.

Wie viele Leute waren damals im DJB?

Ich glaube, es waren ungefähr 10 000. Ich war also ein 24-jähriger Neuankömmling, der nicht mit ihnen zusammenarbeiten wollte, deswegen versuchten sie mich zu verdrängen. Sie waren wütend und haben Pläne gegen mich geschmiedet. Kein Judo-Club sollte mir Zutritt gewähren. Damals hatten nur die Judo-Clubs Tatami-Matten, deswegen wurde das ein Problem für mich. Wenn man Karate übt, kommt man auch ohne Matten aus, aber im Aikido ist das schon schwieriger, gerade für Anfänger.

Gründung des Aikikai Deutschland

Wie kam es zur Gründung des Aikikai Deutschland?

Da ich nicht mit dem DJB zusammenarbeiten konnte, wollte ich eine unabhängige Aikido-Organisation gründen. Zusammen mit Dr. Leisinger und anderen gründete ich also den Aikikai Deutschland.

Hatten diese Leute schon Aikido-Erfahrung?

Nein, überhaupt nicht. Sie hatten alle Judo geübt und wechselten zum Aikido, nachdem ich in Münster Aikido unterrichtet hatte.

Konnten Sie schon deutsch sprechen, als Sie in Deutschland ankamen?

Nein, das einzige Wort das ich kannte war “Danke”. Ich kam im Oktober 1965 in Deutschland an und begann mit dem Unterricht an der Universität von Münster. Ich habe dort an einem kostenlosen Deutsch-Kurs für Ausländer teilgenommen und habe für diesen Kurs auch hart gearbeitet, von April bis Mitte Juni. Dann bin ich für zwei Wochen zu Meister Tada nach Italien gefahren und in der Zeit haben sie ein ganzes Buch abgehandelt! Das konnte ich nicht mehr aufholen, so dass ich den Kurs abbrach.

Aber jetzt sprechen Sie doch fließend deutsch.

Ich verstehe die Alltagssprache, aber mit der Grammatik hapert es etwas, dafür schäme ich mich auch.

Lehrmethode

Sensei, bitte erzählen Sie uns etwas über Ihren Unterrichtsstil.

Im meinem Dojo gibt es drei Klassen: Die Anfänger, den Standard-Kurs und die Fortgeschrittenen. In der Anfängerklasse wird fast nicht gefallen, nur die Rückwärtsrolle wird eingeführt. Wir beginnen immer mit Bewegungslehre, dann folgt Stretching.

Manche, die vorher Judo oder Karate praktiziert haben, sehen Aikido immer aus der Perspektive dieser beiden Künste. Manchmal beschweren sie sich dann, dass es zu langsam vorangeht und langweilig wird. Dann schicke ich sie gleich in die höheren Klassen, damit sie härter trainieren können.

Wie ist ihr Stundenplan aufgebaut?

Die Anfänger trainieren von 6 Uhr bis 7 Uhr. Der Grundkurs ist dann von 7 bis 8 Uhr und die Fortgeschrittenen üben von 8 bis 9 Uhr. Man kann aber auch an allen Stunden teilnehmen. In Japan geht das nicht, weil die Leute nicht soviel Freizeit haben. In meiner Schule trainieren die Anfänger und Fortgeschrittenen auch zusammen. Da die Leute so auch auf Anfänger achten müssen, werden sie nie zu grob.

Ausländer neigen im Gegensatz zu den Japanern dazu viele Fragen zu stellen. Wie erklären Sie im Dojo?

Ich erkläre sehr wenig, außer in den Anfängerklassen. Ich beantworte jede Frage so gut ich kann. Wenn ich Seminare gebe, erkläre ich auch mehr, da die Teilnehmer an diesen Seminaren mich nicht so oft sehen und fragen können. Meine fortgeschrittenen Schüler müssen auch lehren, jeder sollte fünf Minuten in der Woche unterrichten, sie waren auch mal Anfänger. Aber die Leute mit Dan-Rang laufen nicht rum und erklären.

Die Deutschen sind bekannt für ihren Enthusiasmus. Bemerken Sie das auch im Training?

Jeder Deutsche hat seine eigene Persönlichkeit. Manche Leute denken japanischer als wir Japaner, andere wiederum machen was sie wollen und haben keine Interesse an einer Meister-Schüler-Beziehung. Die Schüler an meiner Schule sind sehr enthusiatisch. Ich glaube sogar noch mehr als die Japaner. Es scheint bei mir zwei Sorten von Leuten zu geben. Die einen interessieren sich für Kampfkunst und Selbstverteidigung, die anderen für die spirituellen Aspekte und das japanische Denken. Die letztere Gruppe bleibt meist länger dabei.

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