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Aikido in den Nachkriegsjahren - Teil 1: 1946-1956

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von Stanley Pranin

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Übersetzt von Stefan Schröder

Einführung

Obwohl der Begriff “Aikido” bereits 1942 eingeführt wurde, nahm die Entwicklung dieser Kunst erst in den späten 1950er Jahren Fahrt auf. Die verheerenden Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges waren - wen wundert’s? - schlechte Voraussetzungen für eine frühere Verbreitung der Kunst. Außer den ökonomischen und physischen Schwächungen die Japan erlitt, waren die Menschen zudem allem kritisch gegenüber eingestellt, was irgendetwas mit dem Militärapparat und der einhergehenden Mentalität zu tun hatte. Somit fielen die Kampfkünste, die vor dem Krieg hochgeachtet waren und ein institutionalisierter Bestandteil des Schulsystems, in Ungnade.

Da nur wenige Aikidoka mehr als nur eine vage Ahnung von den Ursprüngen des Aikido haben, sind einige Fehleinschätzungen darüber im Umlauf, wie das Aikido sich zu dem modernen japanischen Budo entwickelt hat, das wie heute kennen. Das auffallendste Mißverständnis ist die Annahme, Morihei Ueshiba sei die treibende Kraft hinter der Verbreitung des Aikido nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen. Dies ist weit von der Wahrheit entfernt. Seine Rolle war durch seinen Einfluss auf die frühen Schüler eher inspirativ. Tatsächlich sind die technischen und pädagogischen Ansätze innerhalb des Aikikai hauptsächlich von Koichi Tohei und Kisshomaru - dem Sohn des Begründers - und innerhalb des Yoshinkan-Aikido von Gozo Shioda geprägt worden. Noch heute können die Trainingsmethoden in dem größten Teil der heutigen Aikido-Organisationen und auch der unabhängigen Schulen auf diese Männer zurückgeführt werden.

In diesem Artikel versuche ich die frühen schwierigen Jahre des Aikido im Japan der Nachkriegszeit zu schildern. Ich beschreibe die wichtigsten Persönlichkeiten, deren Handeln und Denken die frühe Entwicklung der Kunst bestimmten und die Umstände, die es dem Aikido erlaubten in Japan und der Welt zu florieren.

Der Status des Aikido am Kriegsende

Bekanntlich hat der Supreme Commander Allied Powers (SCAP, Oberster Kommandierender der Allierten Streikräfte) 1945 die Ausübung aller Kampfkünste verboten. Dieser Bann richtete sich in erster Linie an die Bildungseinrichtungen und beinhaltete auch die Auflösung des Dai Nippon Butokukai, der Dach- und Kontrollorganisation der Kampfkünste während des Krieges. Es herrschte einige Verwirrung darüber was nun genau verboten und was noch erlaubt war. Der Effekt war gleichwohl, dass sich aus Angst vor Repression durch die Besatzungstruppennur nur noch wenige offen zu den Kampfkünsten bekannten. Darüberhinaus war Kampfkunsttraining gemessen an der allgemeinen wirtschaftlichen Not ein Luxus, den sich nur wenige leisten konnten.

Im Lichte der oben geschilderten Bedingungen waren die Voraussetzungen in Morihei Ueshibas alten Dojo in Wakamatsu-cho alles andere günstig. Das Dojo - vor dem Krieg bekannt als Kobukan - war eines der wenigen Gebäude Shinjukus, eines dicht besiedelten Distrikts in Tokyo, das die Bombardierung überstanden hatte. Es war reparaturbedürftig, nur teilweise mit Tatamis ausgelegt und diese waren abgenutzt. Einige Familien, die ihre Häuser durch die Bombardierung verloren hatten, waren im Dojo untergekommen und Kochgerüche durchdrangen die Trainingsräume. Einmal hat sogar ein Tanzabend stattgefunden für den der Tokonoma als Bühne missbraucht wurde. Während der Abwesenheit von Kisshomaru Ueshiba, dem Hauptverantwortlichen für das Dojo, wurde das Dojo von Kommilitionen von Kisshomaru und Gozo Shioda von der Waseda und Takushoku-Universität beaufsichtigt. Es gab keinen regulären Lehrplan und manchmal kam überhaupt niemand zum Training.

Morihei Ueshiba hingegen lebte seit 1942 mit seiner Frau Hatsu in Iwama und widmete sich völlig der Landwirtschaft, der Meditation und dem Unterricht einiger einheimischer Schüler. Nur selten kam er nach Tokyo und war somit nicht in den Unterricht im Hombu-Dojo involviert.

Vom bürokratischen Standpunkt aus betrachtet war das Hauptquartier von Tokyo nach Iwama verlagert worden. Der Zaidan Hojin Aikikai war tatsächlich seit 1948 in Mito (Ibaragi-Präfektur) gemeldet. Um das Training einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, war eine offizielle Anerkennung ein wichtiger erster Schritt. Das Hauptquartier blieb dann bis 1955 in Iwama bis Kisshomaru 1955 seine Vollzeitstelle aufgeben konnte, um seine gesamte Zeit dem Dojo zu widmen.

Kisshomaru Ueshiba

Die Rolle des zweiten Doshu für das Wachstum des Aikido nach dem Krieg wird oft unterschätzt. Das liegt zum großen Teil an seiner zurückhaltenden Persönlichkeit und den eher unspektakulären Techniken von Kisshomaru Ueshiba, der so hinter charismatischen Persönlichkeiten wie Koichi Tohei und Gozo Shioda zurückstand.

Kisshomaru übernahm 1942 die Führung des Kobukan-Dojo als er noch Student an der Waseda-Universität war. Der Begründer hatte sich im gleichen Jahr nach Iwama zurückgezogen; zu einer Zeit, als die Umstände - durch Krieg und Bombardierung - zunehmend schwieriger wurden.

Nachdem er die ersten Jahre nach dem Krieg mit seinen Eltern in Iwama verbracht hatte, nahm Kisshomaru 1949 eine Stelle bei der Sicherheitsfirma Osaka Shoji an. Im gleichen Jahr begann er im Hombu-Dojo im kleinen Rahmen einen Unterrichtsplan aufzustellen. Etwa zur gleichen Zeit wurde das Kampfkunstverbot der Besatzungsmacht aufgehoben.

Kisshomaru, ein ruhiger und leise sprechender Mann, wurde von einem geschlossenen Zirkel an Beratern umgeben, die der Ueshiba-Familie schon vor dem Krieg nahe gestanden hatten. Morihei Ueshibas hatte um sich Vertreter aus Militär, Politik, Wirtschaft und intellektueller Elite geschart, die seinen frühen Erfolg als Kampfkunstlehrer ermöglicht hatten. Unter diesen Gönnern und Unterstützern, die nun auch Kisshomaru halfen, waren unter anderem Kin’ya Fujita und Kenji Tomita, zwei ehemalige Vorstandsmitglieder der Kobukai-Vereinigung; dann Seiichi Seko, Kisaburo Osawa und Shigenobu Okumura, die beiden letzteren hatten schon während des Krieges das Aikido-Training aufgenommen.

Wiederaufleben

Die meisten der fortgeschrittenen Schüler von Morihei Ueshiba, die vor dem Krieg mit dem Training begonnen hatten, mussten dieses Ende der 30er Jahre aufgeben, da sie eingezogen wurden. Nur wenige nahmen ihr Training nach dem Krieg wieder auf, andere erhielten aber ihre Bande zur Ueshiba-Familie aufrecht. Einige der Schüler, die zum Hombu zurückkehrten waren Kenji Tomiki, Gozo Shioda, Koichi Tohei und Osawa und Okumura, die letzteren wurden oben bereits erwähnt. Diesen Senior-Schülern schlossen sich Ende der 40er und Anfang der 50er Jahre einige junge Männer an. Ihre Liste beinhaltet Namen wie: Morihiro Saito, Sadateru Arikawa, Hiroshi Tada, Seigo Yamaguchi, Shoji Nishio und Nobuyoshi Tamura. Auch Namen, die normalerweise mit dem Yoshinkan und Gozo Shioda verbunden sind, tauchen hier auf: Kiyoyuki Terada, Shigeho Tanaka und Tadataka Matsuo. Dies war die Zeit vor der Abspaltung des Yoshinkan vom Aikikai.

Koichi Tohei: “Giri no onisan, der ältere Schwager”

Nun wäre der geeignete Zeitpunkt, um Koichi Toheis Rolle bei der frühen Verbreitung des Aikido zu würdigen. Das ist eine delikate Angelegenheit, da dessen Ausstieg aus dem Aikikai von einigen unschönen Umständen begleitet wurde, die dazu führten, dass seine wichtige Rolle in den später erschienenen Publikationen des Aikikai kaum Erwähnung findet. Tohei selbst hat daraufhin den Einfluss, den Morihei Ueshiba in seinen Lehrjahren auf ihn hatte, heruntergespielt und die Entwicklungen im Aikikai in seinen Veröffentlichungen und Interviews in ein schlechtes Licht gerückt.

Dieser Zwist zwischen Kisshomaru und Tohei war sicherlich nicht von vornherein abzusehen. Als ihre Kameradschaft in den späten 40er Jahren begann, war ihre Freundschaft sehr eng, begründet auf der Liebe zum Aikido und ihrer Blutsbande, die dadurch geschlossen wurde, dass sie zwei Schwestern heirateten.

Nach einem missglückten Versuch in seiner Heimatpräfektur Tochigi ein Unternehmen aufzubauen, reiste Tohei 1953 auf Einladung des Hawaii Nishi Kai erstmalig nach Hawaii und blieb dort für ein Jahr. Trotz seines Alters von nur 32 Jahren hatte er bereits den 8. Dan und erwarb sich einen Ruf als Top-Kampfkünstler und -Aikidoka, der bis nach Japan zurückstrahlte.

Anfang der 1950er Jahre war das Hombu-Dojo stark renovierungsbedürftig. Tohei sandte von Hawaii Geld, von dem die wichtigsten Reparaturen durchgeführt werden konnten und zudem neue Tatamis angeschafft wurden. Nach diesem ersten Besuch besuchte Tohei regelmäßig und ausgedehnt Hawaii und das US-amerikanische Festland, wo er seinen Ruf als Top-Lehrer festigte. Toheis Erfolg brachte ihm nicht nur internationale Anerkennung, sondern auch eine besondere Rolle innerhalb des Aikikai ein. Viele der jungen Uchi-Deshi besuchten seinen Unterricht, praktizierten nach seinem Vorbild Misogi-Atemübungen und traten dem Tempukai bei, einer Persönlichkeitsentwicklungs-Gesellschaft, gegründet von Tempu Nakamura.

Tohei wurde 1956 zum Shihan Bucho (Vorsitzender der angestellten Lehrer) des Hombu Dojo ernannt und seine Lehrmethode beeinflußte insbesondere die jüngeren Lehrer. Einige der älteren Lehrer mieden Toheis Methoden und behielten ihre eigene Lehrweise bei. Dies wurde später auch ein Streitpunkt.

Zu diesem Zeitpunkt waren Kisshomaru und Tohei noch gut befreundet. Ihre jeweilige Hochzeit hatte sie zusammengeschmiedet und die Zukunft des Aikido schien gesichert: Kisshomaru agierte als “Doshu” als die offizielle Leitfigur und der Vorstand der Verwaltung, während Tohei die Lehre und Entwicklung der Kunst im Auge behielt.

Gozo Shioda und der Yoshinkan

Viele, die innerhalb des Aikikai-Systems aufgestiegen sind, halten das Yoshinkan-Aikido für eine Art “armseligen Cousin”, einfach aufgrund der geringeren Größe der Organisation. Dabei übersehen sie, dass Gozo Shioda und seine Verbündeten bei der Wiederbelebung des Aikido nach dem Krieg eine führende Rolle gespielt haben.

Shioda war einer der frühen Schüler des Begründers, bereits 1932 trat er dem Kobukan-Dojo bei. Für acht Jahre erlernte er das “Aiki Budo”, wie es vor dem Krieg hieß, daraufhin verbrachte er im Zuge des Krieges mehrere Jahre in China. Im Herbst 1946 hat er wenige Monate nach seiner Entlassung aus der kaiserlichen Armee einige Wochen beim Gründer in Iwama mit hartem Training und der Arbeit in der Landwirtschaft verbracht verbracht. Shioda war noch jung und sein Lehrer hatte sich nun zurückgezogen. Er kehrte nach Tokyo zurück und versuchte sich nun im verarmten Tokyo durchzuschlagen.

1950 war für Shioda schicksalhaft. Er wurde gebeten während der “Roten Säuberungen” die Tsurumi Fabrik der Nihon Kokan Steel Company zu bewachen. Der Begriff bezieht sich auf das von General MacArthur geführte anti-kommunistische Projekt, den Einfluss der starken japanischen Handelsgewerkschaften zu brechen, innerhalb dessen etwa 11000 Aktivisten aus Regierung und Industrie entlassen wurden. Shioda sammelte etwa 55 der stärksten Mitglieder der Kendo-, Sumo- und Judo-Clubs seiner Alma Mater, der Takushoku-Universität, und bildete mit ihnen die Sicherheitskräfte. Das führte dazu, dass er gebeten wurde, in verschiedenen Fabriken ab 1952 regelmäßig Aikido zu unterrichten. Shioda demonstrierte in den frühen 1950er Jahren außerdem Aikido vor vielen Polizeibeamten.

1954 nahm Shioda an einer großen Aikido-Demonstration für die Lebensverlängerungs-Gesellschaft teil, bei der 15000 Menschen anwesend waren. Morihei Ueshiba war dazu eingeladen worden, musste aber aus Krankheitsgründen absagen und so sandte der Aikikai Koichi Tohei als Vertreter.

Shiodas Auftritt wurde von dem großen Publikum wohlwollend beurteilt und nach und nach faßte die Yoshinkan-Gruppe Fuß. Zur selben Zeit wurden einige Industrielle auf Shiodas Aktivitäten aufmerksam. Insbesondere Shoshiro Kudo, der Vorstand der Tomin-Bank, unterstützte das Yoshinkan beim Bau eines eigenen Dojo. Die Stätte des Tsukudo Hachiman wurde 1955 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Es ist erhellend Gruppenfotos aus der Mitte der 50er Jahre zu betrachten. Man sieht darauf die Gesichter der Aikikai-Lehrer neben denen der anderen Organisationen. Zm Beispiel Shioda und andere Yoshinkan-Instruktoren wie Terada, Tanaka und Matsuo, der oben schon erwähnt wurde, stehen neben Kisshomaru, Tohei, Saito, Arikawa, Tada, Yamaguchi, Nishio et al.

Da die Yoshinkan-Organisation erst 1955 gegründet wurde, waren deren Anhänger vorher nur eine lose Bruderschaft, ohne organisatorsche Abgrenzung [vom Aikikai]. Shioda konnte um sich eine Kernmannschaft scharen und bekam finanzielle Rückenstärkung zu einer Zeit, als das Aikikai noch die ersten Gehversuche machte.

Nach der Gründung des Yoshinkan war sich der Aikikai des Fortschrittes des Yoshinkan wohlbewusst. Es gab so etwas wie eine “freundschaftliche Rivalität”. Zum Beispiel übernahm das Aikikai die Praxis der beschleunigten Dan-Vergabe, damit seine Lehrer die gleichen Ränge besaßen wie die Lehrer um Shioda. Zu dieser Zeit der “Dan-Inflation” kam es sogar zum Überspringen von Graden, damit man mit dem Yoshinkan gleichauf lag. Auf diese Wiese wurden in kurzer Zeit hochgraduierte Meister produziert, die eine Verbreitung der Kunst erleichterten. Morihiro Saito sagte mir einmal, dass er in den 50ern zwei Dangrade übersprang.

Frühe Uchi-Deshi und “Pendel”-Schüler (Kayoi-Deshi)

Das Uchi-Deshi-System des Aikikai, das viele der berühmten Lehrer des modernen Aikido in Japan und der Welt hervorgebracht hat, kam bis zum Ende der 1950er Jahre nicht recht in Schwung . Vorher lief alles sehr informell ab und nicht jeder, der im Dojo blieb, wollte ernsthaft Aikido studieren. Manche der vielen die kamen und gingen waren nur an einer vorübergehenden Unterkunft interessiert während sie an einer der Universitäten studierten oder Arbeit suchten. Gemeinsam war ihnen in der Regel irgendeine Verbindung zur Familie der Ueshibas oder jemand anderem im Dojo, die es ihnen dann ermöglichte, am gemeinsamen Leben im Dojo teilzuhaben.

Nobuyoshi Tamura war einer der hervorragenden Uchi-Deshi. Er trat dem Aikikai ungefähr 1952 bei und wurde ein berühmter Aikido-Lehrer in Frankreich. Er kam in das Dojo durch die Bekanntschaft mit Seigo Yamaguchi und lebte mehr als zehn Jahre bei der Ueshiba-Familie. Er war der oberste der Uchi-Deshi aus den 1950ern und ist heute noch in Marseille aktiv.

Ein anderer der frühen “Pendel”-Schülern war Yasuo Kobayashi, der 1954 hinzukam. Er wurde bekannt durch die Gründung der Kobayashi-Dojos in Japan und außerhalb. Masamichi Noro wurde 1955 Uchi-Deshi und ging auch als junger Mann nach Frankreich. Heute unterrichtet er in Paris “Ki no michi”.

Ein junger französischer Judoka lebte von 1955-1957 als Uchi-Deshi mit der Ueshiba-Familie im Hombu-Dojo. Nocquet hatte gute Kontakte zu diplomatischen Kreisen und arrangierte Demonstrationen für zahlreiche ausländische Würdenträger. Er kehrte nach Frankreich zurück und verbreitete das Aikido in Europa bis zu seinem Tod 1989.

Die Liste der sogenannten “Pendel”-Studenten des Aikikai ist lang und viele der wichtigen Persönlichkeiten darauf sind noch heute aktiv. Man muss bedenken, dass das Aikikai in den späten 1940er und frühen 1950er Jahren nicht darauf eingerichtet war, viele Uchi-Deshi unterzubringen. Eine unvollständige Liste der Schlüsselfiguren dieser Zeit in der Reihenfolge ihres Eintritts lautet wie folgt: Sadateru Arikawa, Hiroshi Tada, Seigo Yamaguchi, Shoji Nishio, Fukiko Sunadomari - der auch zeitweise im Dojo lebte -, Yoshio Kuroiwa, Masando Sasaki, Masatake Fujita und Akira Tohei und andere, die zwischen den späten vierziger und etwa 1957 dem Aikikai beitraten.

Der Begründer verläßt Iwama

Morihei Ueshiba hat 13 Jahre in selbstgewählter Isolation in Iwama in der Präfektur Ibaragi verbracht. 1955, als sich die Bedingungen im Aikikai stabilisierten, teilte Morihei seine Zeit fortan zwischen Tokyo und Iwama auf. The Gründer verreiste öfter, insbesondere nach Osaka und Shingu in Wakayama. Er beteiligte sich aber nicht an der Verwaltung und dem Management des Aikikai. Er hatte sicherlich einen großen Einfluss auf die Uchi-Deshi und die anderen Schüler im Hombu-Dojo, aber er war nicht der Typ, der einen festen Stundenplan aufstellen würden und niemals wußte man, ob er nicht am nächsten Tag im Dojo auftauchen würde.

Kenji Tomiki und Minoru Mochizuki

Es gibt noch zwei andere Persönlichkeiten außerhalb des Aikikai-Systems, die schon vor dem Krieg eng mit Morihei Ueshiba verbunden waren: Kenji Tomiki und Minoru Mochizuki. Tomiki war der ältere der beiden und nahm nach seiner Repatriierung 1948 wieder Kontakt mit dem Hombu-Dojo auf. Tomiki war Angestellter der Waseda-Universität und unterrichtete dort Judo und Aikido. Er übernahm den Waseda-Judo-Club 1951 und erforschte auch die Aikidotechniken. Während der 1950er Jahre unterrichtete Tomiki hin und wieder auch im Aikikai und war Mitglied eines losen Zusammenschlusses von älteren Schülern von Ueshiba, die sich schon vor dem Krieg um die Verbreitung des Aikido verdient gemacht hatten. Er verließ den Aikikai 1958 nachdem er auf Drängen der Universitätsverwaltung der Waseda-Universität eine Art Wettkampf-Aikido erdacht hatte.

Minoru Mochizuki war ein talentierter Schüler von Morihei Ueshiba, der das Training 1930 aufnahm. Obwohl er nur kurze Zeit als Uchi-Deshi lebte, behielt er bis zum Tod des Gründers 1969 eine enge Verbindung zu ihm. Mochizuki hat als erster Aikido außerhalb Japans unterrichtet. Er reiste 1951 nach Frankreich, um Judo zu unterrichten. Mochizuki, der sonst in Shizuoka lebte, stand auch später der Ueshiba-Familie sehr nahe und nahm an Veranstaltungen des Aikikai immer wieder teil. Da er einer der älteren hochrespektierten Schüler aus der Vorkriegszeit war, hat sich auch Kisshomaru hin und wieder ratsuchend an ihn gewandt.

Noriaki Inoue etabliert sich

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Noriaki Inoue (geboren Yoichiro, genannt Hoken), Morihei Ueshibas Neffe, in Tokyo auf dem Tachikawa Luftwaffen-Stützpunkt kurz vor dem Koreakrieg unterrichtete. Später unterrichtete er dann in Yoyogi Shinmachi. Obwohl es darüber keine Aufzeichnungen gibt, benutzte er damals wohl den Namen “Aiki Budo”. Seine eigene Kunst nannte er dann Shinwa Taido und letztlich Shin’ei Taido. Inoue blieb immer vom Aikikai unabhängig und hatte bis zu seinem Tod 1994 nur wenige Kontakte dorthin.

Amerikanische GIs in Japan

Auch wenn selten darauf hingewiesen wird, ist die Anwesenheit der Besatzungsmacht, deren Soldaten ebenfalls Aikido erlernten, ein weiterer wichtiger das Wachstum des Aikido begünstigender Faktor. Für das Selbstbewußtsein der noch jungen Aikido-Organisationen war es sicherlich förderlich, die fremden Soldaten als Schüler in einer japanischen Kampfkunst zu unterrichten. Insbesondere das Yoshinkan hatte eine Anzahl amerikanischer Soldaten gewonnen, z.B. Thomas Makiyama und Eugene Combs, die dann halfen, das Aikido in den USA zu verbreiten.

Wendepunkt: Demonstration auf dem Takashimaya-Warenhaus

Im September 1956 hielt der Aikikai eine fünftägige Demonstration auf dem Dach des Takashimaya-Warenhauses in Nihonbashi, Tokyo, ab. Dies war die erste Veranstaltung ihrer Art. Bis dahin waren Präsentationen sehr begrenzt eingesetzt worden; so bei öffentlich zugänglichem Unterricht des Begründers oder bei Gastauftritten bei Kampfkunst-Messen, falls der Gründer zustimmen würde. Bei dieser Gelegenheit durften die fortgeschrittenen Aikikai-Lehrer nun zum ersten Mal neben dem Gründer Aikido demonstrieren. Ab diesem Zeitpunkt häuften sich die öffentlichen Auftritte. Um 1960 begannen jährliche Vorführungen in der Yamano-Halle, dann auch im Hibiya-Kokkaido, ab 1977 auch im Nippon Budokan in Tokyo.

Seitdem hat sich das Wachstum des Aikido ständig beschleunigt. Ein wichtiger Faktor war die Veröffentlichung der ersten Aikido-Bücher. Der zweite Teil dieses Artikels wird die Geschichte ab dort fortschreiben.

Februar 2004
Las Vegas, Nevada, USA