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Yoichiro Inoue: Der vergessene Pionier des Aikido

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von Stanley Pranin

Aikido Journal #121

Übersetzt von Esther und Bruno Pierling

Weltweit wird Morihei Ueshiba als der Begründer des Aikido angesehen. Historiker dieser Kunst erwähnen anerkennend, in unterschiedlichen Graden, die signifikanten Rollen des Daito-ryu aikijujutsu und der Omoto Religion, die grundlegend waren, für Ueshiba’s Techniken und seine spirituellen Überzeugungen. Gleichzeitig bestanden Verpflichtungen des Begründers, die klar belegt sind, gegenüber Förderern wie Admiral Isamu Takeshita, Kenji Tomita, Kinya Fujita und anderen, die ihm über die Jahre hilfreich zur Seite standen. Einige frühe Schüler Ueshiba’s. wie Kenji Tomiki, Minouru Mochizuki, Gozo Shioda, Koichi Tohei und sein Sohn Kisshomaru sind weithin bekannt für ihren Beitrag zur Verbreitung der Kunst nach dem Krieg, durch ihre jeweiligen Organisationen Im Gegensatz dazu wird der Name Yoichiro Inoue, ein früher Schüler und gleichzeitig sein Neffe, nur gelegentlich genannt. Dass ein derart bedeutender Mitgestalter dieser Kunst, nur so knapp von den Aikido Historikern gewürdigt wird, ist ein unentschuldbarer Umstand, den ich durch den folgenden Artikel hoffe, richten zu können.

Aufgrund eines Mangels an historischem Kontext in den Biographien Morihei Ueshiba’s, entsteht leicht der Eindruck, der Begründer habe einige grundlegende Lebensentschei-dungen allein getroffen und die Geburt des Aikido sei hauptsächlich auf seine Initiative zurückzuführen. Ich beziehe mich speziell auf so wichtige Ereignisse wie seinen Aufenthalt in Tokyo 1901, in der Absicht ein Kaufmann zu werden, sein Umzug nach Hokkaido, als Siedler 1912, und seine überstürzte Abreise mit der ganzen Familie nach Ayabe zur Omoto Religionsgemeinschaft 1920. Tatsache ist, dass die reiche Familie Inoue aus Tanabe, zu der Yoichiro gehörte, eine signifikante Rolle spielte, in jenen gewichtigen Lebensentscheidungen des jungen Ueshiba. Die Ueshiba-Inoue Verbindung ist ein nicht zu leugnender Fakt der Geschichte und sowohl der Name Zenzo und dessen Sohn Yoichiro, wie auch Zenzo’s jüngerer Bruder Koshiro tauchen auffallend häufig in Verbindung mit Morihei Ueshiba um die Jahrhundertwende bis 1935 hin auf.

Die Inoue Familie

Yoichiro’s Vater Zenzo wurde um 1861 in Tanabe geboren. Er war der Patriarch der Inoue Familie und es scheint so, als habe er sein Vermögen von seinem Vater Isuke geerbt. Zenzo heiratet die älteste Schwester Morihei Ueshiba’s, Tame, etwa 1889. Sie hatten acht gemeinsame Kinder, von denen das vierte Yoichiro war. Yoichiro wurde 1902 in Tanabe geboren, damit war er 19 Jahre jünger als Morihei Ueshiba. Zenzo besaß viel Grundbesitz in Tanabe und anderswo und war in verschiedene unternehmerische Aktivitäten eingebunden.

Zenzo und sein jüngerer Bruder Koshiro zogen 1887 auf Drängen ihres Vaters Isuke nach Tokyo um. Beide hatten geschäftlichen Erfolg, jedoch kehrte Zenzo später nach Tanabe zurück und ließ die Geschäfte, die sie gemeinsam aufgebaut hatten, in den Händen des Bruders Koshiro zurück. Zu einem späteren Zeitpunkt leitete Zenzo auch eine Textilfabrik in Kyoto. An verschiedenen Zeitpunkten in seiner Karriere war Koshiro auch im Seifenwaren-, Metall- und Papiergeschäft, sowie im Handel tätig. Ebenso wie sein Sohn machte Koshiro sein Glück während des Russisch- Japanischen Krieges, wo er eine Auswahl an Produkten einführte, an denen Mangel herrschte. Schließlich wurde Koshiro einer von Japans zehn größten Steuerzahlern und Mentor von Konosuke Matsushita, dem Gründer der Matsushita Gruppe, einem Elektrogerätekonzern.

Morihei arbeitet für Koshiro in Tokyo

Abgesehen von der Heirat zwischen Zenzo und Tame, findet sich das erste verbriefte Eingreifen der Familie Inoue, in die Angelegenheiten Morihei’s, als er 1902, als 19-Jähriger nach Tokyo zieht. Da bekannt ist, dass Morihei der Lehrling Koshiro’s war und im Schreibwarenhandel in Asakusa, einem Stadtteil Tokyo’s behilflich sein sollte, scheint klar zu sein, dass diese Karriere Entscheidung gemeinschaftlich von Familienmitgliedern, inklusive Morihei’s Vater Yoroku und Zenzo, gefällt worden war.

Wie das Schicksal es wollte, blieb Ueshiba weniger als ein Jahr unter der Anleitung Koshiro’s in Tokyo. Nichts desto weniger war diese Zeitspanne signifikant, hinsichtlich Morihei’s Entwicklung in den Kampfkünsten. In dieser Zeit nämlich, unterzog er sich seinem ersten regelmäßigen Training im Tenjin Shinýo-ryu jujutsu unter Tokusaburo Tozawa. Am Jahresende kehrte Morihei zurück nach Tanabe, nachdem er an Beriberi erkrankt war, einer Krankheit, die durch einen Mangel an Vitamin B1 in der Ernährung verursacht wird und verbreitet war im damaligen Japan.

Eintritt in die Japanisch-kaiserliche Armee

1901 heiratete Morihei Hatsu Itogawa und trat im Dezember des gleichen Jahres in die Armee ein, in das Infanterie Regiment von Wakayama, kurz vor dem Ausbruch des Russisch-Japanischen Kriegs. Es war während seines Militärdienstes, dass Morihei mit dem Studium des Yagyu-ryu jujutsu begann, welches er auch gelegentlich noch nach seiner Entlassung 1906 in Tanabe praktizierte. Obwohl Morihei’s Studium dieser Jujutsu Schule ausführlicher war, als sein früheres, bei der Tenjin Shinýo-ryu, bleibt doch die genaue Natur seiner Studien und deren, wenn überhaupt, mögliche Auswirkungen auf die spätere Entwicklung des Aikido, unbekannt.

Judo für unruhige Jugendliche

Die Jahre nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst waren schwierig für Morihei, da er sich schon in seinen späten 20-igern befand; verheiratet, aber immer noch unsicher, bezüglich einer Karriere. Morihei’s Neffe, Yoichiro seinerseits bewies durch sein ungezogenes Verhalten, ein rebellischer Jugendlicher zu sein, der von der Schule geflogen war. Um 1911 beschloss Yoichiro’s Großvater, mit der Unterstützung Zenzo’s einen jungen Judolehrer, mit Namen Kiyoyuki Takagi, der gerade durch den Distrikt reiste, nach Tanabe einzuladen. Ihre Idee war, die jugendlichen Energien ihrer Söhne, Morihei und Yoichiro und dessen Brüder durch das Judo Training zu kanalisieren. Yoichiro erinnert sich an seinen Großvater, als einen sehr netten, warmherzigen Mann von großer psychischer Stärke und einer großen Liebe zu den Kampfkünsten. Es ist wert zu erwähnen, dass Takagi später ein berühmter Judolehrer wurde und den 9.Dan erlangte.

Morihei, die Inoue Brüder und andere Jugendliche aus der Nachbarschaft, verbrachten ein oder zwei Jahre während ihrer Freizeit beim Judotraining, bis Takagi Tanabe verließ. Man sollte sich klar machen, dass Takagi, obwohl er ein großer, starker junger Mann war, doch nur etwa 17 Jahre alt gewesen ist, zu dieser Zeit und Morihei an die 11 Jahre älter war. Yoichiro berichtet, dass Morihei mit anderen Verantwortlichkeiten belastet war und daher nicht beständig Judo übte, während Ueshiba’s Sohn, Kisshomaru sagt, sein Vater habe enthusiastisch trainiert. Mein persönlicher Eindruck ist, dass Yoichiro Recht hat, bezüglich Morihei’s Belastung zu dieser Zeit, da er körperlich anwesend war. Diese Belastungen werden im folgenden Abschnitt von Bedeutung werden. Außerdem bescheinigt keine geringere Autorität, als Sadateru Arikawa, dass es nicht die Spur von Judo Techniken in Morihei’s Aikido gegeben habe.

Die Besiedlung Hokkaidos

Während der Zeitspanne 1910-11, unterstützte Morihei sehr die Bemühungen des bekannten Botanikers Kumakusu Minakata, der gegen die neue Politik der Regierung, bereits existierende Schreine in einem gewissem Umfang zu konsolidieren, opponierte.

Er war sehr aktiv in seiner Rolle als Minakata’s Helfer, in der Kampagne gegen diese Politik, der darin einen Weg begriff, auf dem sich korrupte Politiker und Geschäftsleute hätten bereichern können. Ungeachtet dieser Fülle an politischer Aktivität, war die Entscheidung, bei den Bemühungen mitzuwirken, Hokkaido, die spärlich besiedelte, nördlichst gelegene Insel Japans, zu besiedeln, die Lösung für Morihei’s Mangel an Ausrichtung in seinem Leben.

Nach der Meji Restauration, legte die japanische Regierung großen Wert auf die Erschließung des rohstoffreichen Hokkaido und bot daher Anreize, wie billiges Land für Siedler an. Morihei war unter jenen, von den Verlockungen des Abenteuers Verführten und blieb sieben Jahre auf Hokkaido. In Aikido Historien, soweit sie bisher veröffentlicht sind, wird Morihei als der Führer einer Gruppe von Siedlern aus Tanabe portraitiert, der bekannt wurde, als der „König von Shirataki“; der Name als Hinweis auf eine Ortschaft, die die Tanabe Gruppe urbar machte. Wie auch immer, die Geschichte der Jahre in Shirataki muss neu bearbeitet werden, da neue Untersuchungen ein völlig anderes Bild der Umstände jener Siedler aus Tanabe zeigen. Auch hier spielt die Familie Inoue eine zentrale Rolle.

Yoichiro berichtete in einem Interview, dass seine Familie Unternehmen in Tanabe, Tokyo, Osaka, Kobe und auf Hokkaido habe. Mehr noch —- Yoichiro’s Schwester weist darauf hin, dass Zenzo und seine Frau Tame bereits in Hokkaido lebten, bevor die Tanabe Gruppe abreiste, um in Shirataki zu siedeln. Der Zeitrahmen wäre dafür wahrscheinlich die erste Dekade des zwanzigsten Jahrhunderts. Das passt auch mit dem Umstand zusammen, dass beide, Zenzo wie auch Koshiro, Land in Shirataki besaßen und es macht deutlich, dass die Inoues, eine aktive Rolle bei der Erschließung der nördlichen Insel spielten, möglicherweise im Zusammenhang mit ihren vielfältigen geschäftlichen Interessen. Auch wird berichtet, dass Zenzo für die Siedler von Tanabe ein Kreditwesen eingeführt habe.

Es erscheint ein glaubhafteres Bild von der Hokkaido Expedition, wo Zenzo, als reicher Patriarch der Inoue Familie, zusammen mit seinem Schwiegervater Yoroku und vielleicht weiteren Älteren aus Tanabe, die Durchführung der Umsiedlung nach Hokaido arrangierten. In diesem Zusammenhang wurde möglicherweise der junge und ehrgeizige Morihei ausgewählt, unter der Leitung von Zenzo, Yoroku und „company“, verschiedene Leitungsaufgaben zu übernehmen.

Morihei scheint die Besiedlungsbemühungen enthusiastisch aufgenommen zu haben. Kisshomaru berichtet, dass Morihei stark von einem Denzaburo Kurahashi, einem Bauern-Soldaten (tondenhei) beeinflusst war, der Morihei’s Kopf mit Geschichten aus seinem großen Repertoire füllte. Morihei reiste 1911 erstmalig mit Kurahashi nach Hokkaido, um einen geeigneten Platz für die Ansiedlung auszuloten. Es ist nicht bekannt, ob Zenzo, oder andere sie bei dieser Gelegenheit nach Hokkaido begleitet haben.

Die Okhotsk Region bekannt unter dem Namen Yubetsu, wurde als passenden Gegend für die Besiedlung ausgewählt. Die Tanabe Siedler gründeten ein Dorf namens Shirataki, von der Okhotsk See etwa 30 Meilen landeinwärts gelegen, im nordöstlichsten Teil Hokkaodo’s. Heute gibt es dort an die 26 Gemeindeverwaltungen, mit insgesamt 350 000 Einwohnern, die beständig weniger geworden sind, bis zu einem Tiefpunkt 1960.

Eigentlich waren Morihei und das Tanabe Kontingent von Wakayama gestartet, um diese Gegend im März 1912 zu besiedeln. Die Gruppe bestand hauptsächlich aus den zweiten und dritten Söhnen von Bauern und Fischern, die nicht mit einem Erbe rechnen konnten. Im Hinblick darauf war Morihei, als Yoroku’s einziger Sohn eine Ausnahme. Der ersten Gruppe folgten später weiter Siedler aus Tanabe und anderen Gegenden Japan’s. Alle waren an der Besiedlung des Landes und dem Aufbau des Dorfes beteiligt. Die ersten Jahre bargen viele Härten, wegen der Strenge des Wetters und der kärglichen Ernten. Mit der Zeit jedoch, gedieh das Dorf zunehmend durch die Nutzung von Holz, den Anbau nach Kalender, der Kultivierung von Pfefferminze, Reis und anderem.

Yoichiro geht nach Shirataki mit den Ueshiba’s

Wieder zurück in Tanabe, vertraute Zenzo den durchgedrehten Yoichiro der Ueshiba Familie an. Kisshomaru berichtete einmal in einem Interview, dass Yoichiro einen Teil seiner Kindheit im Ueshiba Haushalt verbracht habe und im Alter von 12 Jahren erneut zu ihnen gekommen sei. Während Morihei bereits in Hokkaido war, wurde Yoichiro wohl von Yoroku und seiner Frau Yuki betreut, ebenso von Morihei’s Frau Hatsu, die gerade ein Mädchen geboren hatte. In einem Interview Jahre später, erinnerte sich Yoichiro, wie es dazu kam, dass er nach Hokkaido aufbrach:

„Als ich 1914 in der fünften Klasse der Grundschule war, habe ich gestreikt! Meine Lehrer hatten es schwer mit mir in dieser Zeit. Mein Vater nahm an, ich sei unerziehbar und beschloss mich nach Hokkaido zu schicken, um mich dort `loszulassen’. Sonst wäre ich auch erst gar nicht gefahren. Ich wurde ein wohlerzogener Junge, als ich nach Hokkaido gegangen war - Ueshiba’s Eltern gingen mit mir.“

Da es nur anekdotenhafte Informationen über die Reisen der verschiedenen Parteien nach und von Tanabe und nach Shirataki gibt, kann man nur Vermutungen darüber anstellen, in welchen Zeitabschnitten sich das Ganze vollzog. Morihei’s Frau Hatsu und seine Tochter Matsuko, sowie seine Eltern, machten möglicherweise eine Reise nach Shirataki, mit Yoichiro im Schlepptau, so wie es auch Zenzo und Tame machten. Es kann sein, dass sie alle zusammen gereist sind, möglicherweise 1914. In Übereinstimmung mit dem späteren Doshu Kisshomaru Ueshiba, verbrachte Yoroku sein Familienregister (koseki) nach Shirataki, daher ist klar, dass der ältere Ueshiba in der Absicht dorthin ging, zu bleiben.

Nehmen wir an, dass die Anzahl der Familienmitglieder der Ueshibas und Inoues zusammen während dieser Jahre in Shirataki wenigstens 9 betrug, dann scheint das Bild des 31-jährigen Morihei, als „König von Shirataki“ eine Übertreibung zu sein. Viele Aussagen weisen auf ein realistischeres Bild hin; das der gemeinsamen Anstrengungen des prominenten Teils der Einwohner von Tanabe, Zenzo und Yoroku eingeschlossen, die die Besiedlung, unter der Mitwirkung von Morihei und anderen jungen Einwohnern von Tanabe organisierten. Es wäre wohl gerecht zu erwähnen, dass Morihei im Hokkaido Abenteuer auf verschiedenen Gebieten eingesetzt wurde, wegen seines großen Eifers und seines Talents im Umgang mit Menschen und dank der einflussreichen Rollen von Zenzo und Yoroku.

Das Zusammentreffen mit Sokaku Takeda

In Shirataki wurde Yoichiro Augenzeuge eines Ereignisses, welches in direktem Zusammenhang mit der späteren Entwicklung des Aikido stand. 1915 nahm Morihei an einem privaten Seminar in der nahe gelegenen Stadt Engaru teil, welches von einen Jujutsu Experten namens Sokaku Takeda geleitet wurde. Yoichiro begleitete Morihei bei dieser Gelegenheit und beschreibt es hier mit folgenden Worten:

„Es geschah, als ich dreizehn war. Mein Onkel, Takeda Sensei, ich und noch einige andere, trafen uns in der Empfangshalle des Hisada Hotels. Dort hörte ich zum ersten Mal vom Daito-ryu Jujutsu. Seit ich jung war, hatte ich das Training nur beobachtet. Normalerweise erlaubten sie anderen Leuten nicht ihr Training zu beobachten und man musste bezahlen, auch wenn man nur zuschaute. So geheimnisvoll ging Takeda Sensei mit seiner Lehre um. Er zeigte niemals seine Techniken. Wenn doch jemand zum Gucken auftauchte, packte er ihn und warf ihn hinaus, daher gab es auch absolut keine Spicklöcher im Dojo. Ich glaube nicht, dass Sokaku Sensei sich mit weniger als 10 Schülern `in Bewegung gesetzt’ hätte.

Während des Zuschauens war es nicht gestattet mit gekreuzten Beinen zu sitzen. Ich sitze jetzt mit gekreuzten Beinen hier mit ihnen, aber damals hätte ich in seiza (formelle Position) gesessen und hätte einen Hakama (Faltenrock) getragen. Während ich zusah, dachte ich, dass diese Kampfkunst anders sei und ich wollte sie nicht lernen. Als ich dann Takeda Sensei traf und er sagte, ich solle üben, weigerte ich mich und sagte, dass ich diese Art des Trainings nicht mochte. Er sagte darauf zu mir: `Kleiner, willst du mit mir üben?’. Ich antwortete: `Ich möchte nicht von einem alten Mann, wie ihnen unterrichtet werden!’. Trotzdem wurde er nicht wütend auf mich. Er sagte: `Oh, ich verstehe, sehe ich so alt aus?’. `Sie sind ein alter Mann ohne Zähne’, gab ich zurück.“

In dieser Passage gewinnt man einen flüchtigen Einblick auf den furchtlosen Charakter des Teenagers Yoichiro. Ein Zug, den er sich bis ins hohe Alter bewahrte und der zu seinen liebenswürdigsten gehörte. Zudem bestätigt sich die Anwesenheit und Teilnahme Inoue’s bei diesem Ereignis, das so signifikant zu dem Weg beigetragen hat, den Morihei gewählt hatte.

Es ist wohl bekannt, dass Morihei geradezu besessen davon war, Daito-ryu von Sokaku zu lernen. Schon bald überzeugte er Takeda nach Shirataki in sein Haus zu ziehen, um einen leichten Zugang zum Daito-ryu Unterricht zu erhalten. Kisshomaru berichtet, dass Sokaku, Morihei und 15 weiter Angestellte in Shirataki unterrichtete.

Yoichiro’s Vater und sein Onkel Koshiro, besaßen zu dieser Zeit beide Land in Shirataki und Zenzo lebte, wie wir gesehen haben, bereits dort. Es ist also wahrscheinlich, dass der Begründer in die Unternehmungen der Inoue eingebunden war, während er mit Yoichiro und „den Angestellten“, das Daito-ryu studierte.

Zenzo und Yoroku finanzieren das Studium des Daito-ryu der Söhne

Dank seiner direkten Verbindung zu Morihei und der erweiterten Ueshiba und Inoue Familie, die in Shirataki waren, richtete sich Sokaku dort bald einen ständigen Wohnsitz ein. Es gibt eine Vielzahl von Hinweisen, die zusammen genommen diese Ansicht bestätigen. Die möglicherweise überzeugendste Tatsache ist ein undatierter Eintrag in Sokaku’s Kassenbuch (shareiroku), welches die Unterschrift von Zenzo Inoue und Yoroku Ueshiba enthält. Man könnte vernünftigerweise annehmen, dass der Eintrag 1915 oder 1916 vorgenommen wurde. Diese Kassenbücher enthielten Zahlungseingänge, die Sokaku für Jujutsutrainings bekommen hatten, wenn auch kein Betrag in diesem speziellen Fall eingetragen ist.

Es ist wohl schwierig der Schlussfolgerung zu entkommen, dass es Zenzo und Yoroku waren, die Morihei’s Daito-ryu Studium bezahlten, wie auch von Yoichiro weiter fortgeführt wird:

„Morihei sagte, er wolle diese Kunst studieren und deshalb diskutierten mein Vater und Ueshiba’s Vater diese Idee, bauten ein Dojo in Shirataki und luden Takeda Sensei ein, dort zu unterrichten…. Sie schickten Takeda jeden Monat Geld, obwohl ich nicht weiß wie viel. Unsere Väter gaben ihm sicherlich so viel, wie er für den Rest seines Lebens benötigte. Mein Vater war auch der Meinung, dass es schön sei, einen Budo Mann in der Familie zu haben. Ueshiba’s Vater tat es aus Liebe zu seinem Kind. Geldprobleme gab es nicht, denn mein Vater hatte viel Besitz und war auch sehr in Geschäfte in Tokyo eingebunden. Ich nehme an, dass der Betrag, den sie ihm schickten, unbedeutend für sie war. Das war also ihre Beziehung zu Takeda Sensei.“

Es scheint so, dass die Inoues und Ueshibas, im Zusammenhang mit ihren Geschäften, zurück gingen und weiter nach Shirataki und Tokyo-Wakayama. Beispielsweise finden wir Yoichiro irgendwann 1915 oder 1916 in Tokyo. Er bewohnt Zenzo’s Haus in Tokyo und ist möglicherweise in das Familiengeschäft der Inoue’s involviert. Yoichiro berichtet auch von einem Besuch Morihei’s in Tokyo zur gleichen Zeit:

„1915 oder 1916, als mein Onkel Tokyo besuchte, kam er in formeller Kleidung in mein Haus in Kaja-cho. Als meine Familie ihn fragte, warum er so formell angezogen sei, um sie zu besuchen, sagte er, dass er nun endlich ein Jujutsu Lehrer werde! Wir lachten alle darüber, dass aus einem Bauern ein Jujutsu Lehrer werden sollte. Wir beschlossen dann, dass wir in zweiten Stock unserer Zweigstelle üben würden. Mein älterer Bruder lebte damals noch. Einer meiner jüngeren Brüder, der erst kürzlich gestorben ist, lebte auch noch. Meine Brüder genossen das Training sehr. Wir vier, alles junge Männer, übten in diesem Haus in Tokyo ungefähr eine Woche. Ich sagte ihnen klar, dass diese Kunst nur Daito-ryu war.“

Als Randnotiz sollte bemerkt werden, dass Yoroku, Morihei und Zenzo über die Idee nachdachten, Yoichiro und Matsuko zu verheiraten, da Morihei zu dieser Zeit noch keinen männlichen Erben hatte (Kisshomaru wurde 1021 geboren). Dies wird von einem Mitglied der Inoue Familie erzählt und von Morihiro Saito’s Frau bestätigt, die in späteren Jahren sehr vertraut mit Hatsu Ueshiba war. Keiner der beiden war jedoch an der Idee interessiert, sodass man sie fallen ließ.

Das große Shirataki Feuer

Die großen Fortschritte, die die Shirataki Siedler machten, erlebten einen vernichtenden Rückschlag, im Mai 1917, als gute 80 Prozent aller Häuser und Strukturen der Umgebung durch ein Feuer zerstört wurden. Das schloss auch das Haus der Ueshiba’s ein. Siedler hatten die Gewohnheit durch „kontrollierte Feuer“ das Land schneller urbar zu machen, doch durch starke Winde die Kontrolle verloren. Das Desaster führte dazu, dass viele Siedler nach Tanabe zurückkehrten. Unter ihnen waren Morihei’s Eltern, Zenzo und Tame, die ihr letztes Kind erwarteten. Wie auch immer, Morihei blieb in Shirataki und das Feuer sollte sich als glücklicher Umstand herausstellen, denn die Urbarmachung des Landes war dadurch viel einfacher geworden und der Ort erholte sich schnell von dem Unglück.

Yoichiro’s Entdeckung der Omoto

Wenn wir die Dinge in Hokkaido einen Moment beiseite lassen, erscheint ein anderes Ereignis von fundamentaler Wichtigkeit für die Zukunft des Aikido, um 1917 in Tokyo. Die Omoto Religion, deren treibende Kraft der schillernde und charismatische Onisaburo Deguchi war. Er war intensiv mit der Gewinnung neuer Mitglieder in Tokyo und anderen Metropolen dieser Gegend befasst. Die Omoto Religion war eine so genannte „neue Religion“, eine von einer ganzen Reihe auf Shinto gegründeten Sekten, die im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert in Japan aus der Erde sprossen. In den 1890igern wurde sie von einer armen Bäuerin, namens Nao Deguchi, begründet. Onisaburo heiratete später Nao’s Tochter und wurde so der „Mit-Begründer“ der Omoto Religion.

Anscheinend erfuhr Yoichiro um 1917 etwas über diese Religion, als er in Ueno an einer Lesung teilnahm. Es gibt unterschiedliche Auffassungen über das genaue Jahr und die Umstände der erstmaligen Hinwendung Yoichiro’s zu dieser Religion. Es ist auch nicht bekannt, ob er tatsächlich Onisaburo bei dieser Gelegenheit gesehen, oder getroffen hat. Ebenso ist nur Anekdotenhaftes bezüglich Yoichiro’s erstem Besuch in der Präfektur Kyoto bekannt. In jedem Fall geht seine Verbindung mit der Religion zeitlich, mit der seines Onkels Morihei überein.

Bisher beharrten die Aikido Biographen darauf, dass Morihei sich 1919 zum ersten Mal mit der Religion bekannt machte, als er aus Hokkaido zurück nach Tanabe eilte, wo sein Vater im Sterben lag. Davon ausgehend, dass Yoichiro und seine Familie schon 1917 über die Omoto informiert waren, hatte Morihei sicher noch früher Kenntnis davon, während er noch auf Hokkaido war. Man sollte auch erwähnen, dass Morihei’s älterer Schwerster Tame, Yoichiro’s Mutter eine hingebungsvolle Konkokyo Gläubige war. Die zentrale Gottheit in dieser älteren Shinto Sekte, ist „Konjin“, eine der Eltern-Gottheit des Himmels und der Erde und der Gott der Liebe. In der Omoto ist die Hauptgottheit „Ushitora no Konjin“, ein Gott der möglicherweise mit der Konjin Gottheit der Konkokyo in Verbindung steht. Obwohl Shirataki ein relativ abgeschiedener Ort war, gab es aus anderen Provinzen immer wieder neue Siedler, neben denen der Tanabe Gruppe, die Neuigkeiten über Ereignisse aus anderen Teilen Japan’s brachten. Auch gab es einen ansehnlichen Reiseverkehr von und nach Shirataki, wie wir weiter oben schon erwähnten.

Morihei verlässt Shirataki

Wie wir gesehen haben, hat das Feuer von Shirataki, obwohl es in seinen Ausmaßen verheerend war, nicht den Willen aller Siedler gebrochen. Morihei blieb noch zweieinhalb Jahre nach dem Desaster. Er wurde 1918 sogar in den 12-köpfige Stadtrat von Kami Yubetsu gewählt. In dieser Hinsicht folgte er in die Fußstapfen seines Vaters, Yoroko, der über viele Jahre hinweg, im Stadtrat Tanabe’s gewesen war.

Nichtsdestotrotz näherte sich Morihei’s Aufenthalt in Hokkaido dem Ende. Im Frühjahr 1919 plante Morihei bereits seine Rückkehr nach Tanabe, wo er Jujutsu unterrichten wollte. Er war immerhin Yoroku’s einziger Sohn und sein Vater war schon Mitte siebzig. Auch hatte sich Morihei’s Beziehung zu Sokaku Takeda abgekühlt und er wollte sich aus der derzeitigen Situation mit seinem Jujutsu Lehrer befreien.

Morihei erhielt im Dezember 1919 ein dringendes Telegramm, mit der Nachricht, dass Yoroku in Tanabe ernsthaft erkrankt sei. Morihei regelte hastig seine Angelegenheiten und übergab seinen Haushalt mit dessen Mobiliar an Sokaku und machte sich auf nach Wakayama. Während er in seinem Zug nach Kansai saß, so wird erzählt, hörte Morihei von einem Mitreisenden von der Omoto Religion und Onisaburo Deguchi und entschied spontan die Reise nach Ayabe umzuleiten, um den Sektenführer kennen zu lernen und für die Gesundung seines Vaters zu beten.

Wie wir schon bemerkt haben, war Morihei über die Omoto bereits informiert und ihr gegenüber positiv eingestellt, als er unerwartet im Zug auf diese Chance traf. In jedem Fall machte Morihei den Umweg über Ayabe und traf Onisaburo, von dem er tief beeindruckt war. Es endete damit, dass er mehrere Tage dort blieb. Als er schließlich in Tanabe ankam, war Yoroku, sehr zum Entsetzen Morihei’s schon gestorben, der ja versucht hatte, göttliche Intervention für die Genesung seines Vaters zu erhalten.

Yoichiro und Morihei ziehen zur Omoto

1920 war Yoichiro gänzlich von der Omoto eingenommen. Ungeachtet dessen, dass er noch ein Teenager war, bezog er einen Wohnsitz in Kameoka, dem administrativen Zentrum der Omoto Religion, noch vor der Ankunft der Ueshiba Familie, im Frühling desselben Jahres. Wann dies genau stattfand ist ungewiss. Wie auch immer, hier ist Yoichiro’s Nacherzählung der Geschichte aus einem frühen Aiki News Interview:

„ 1917 hörte ich das erste Mal etwas über die Omoto Religion. 1920, im Alter von 19 Jahren, ging ich nach Kameoka, um unter Reverent Onisaburo Deguchi zu studieren. Danach durfte ich eine lange Zeit in Ayabe bleiben. Das war noch bevor die Ueshiba Familie nach Ayabe ins Omoto Hauptquartier kam. Ungefähr ein Jahr später kam Ueshiba mit seiner Familie nach Ayabe. Ich war in dieser Zeit nicht dort, sondern in Kameoka.“

Morihei’s Verbindung mit der Omoto Religion, erscheint, alles zusammengenommen, in einem anderen Licht, wenn man sieht, dass Yoichiro als erster dort aktiv wurde. Tatsächlich war Yoichiro’s Präsenz in der Omoto der Auslöser für Morihei’s Umzug mit seiner Familie. Dies alles weist auf die auch weiterhin engen Verflechtungen zwischen der Inoue-Ueshiba Familie und den parallel verlaufenden Weg hin, den Morihei und Yoichiro, in technischer wie spiritueller Hinsicht verfolgten.

Yoichiro verbrachte gute drei Jahre hauptsächlich in Kameoka, aber auch in Ayabe, während der frühen Zwanziger. Er war sehr in das Studium der Omoto Religion vertieft und Onisaburo völlig ergeben. Morihei seinerseits war in Ayabe ansässig und ging ganz in der Omoto Gemeinde auf, wurde dort eventuell ein Mitglied von Onisaburo’s innerstem Kreis. Er war sehr mit der Landwirtschaft befasst und nutzte dabei die Fähigkeiten, die er in Hokkaido erworben hatte.

Der charismatische Onisaburo unternahm große Anstrengungen, sich mit erfolgreichen und talentierten Menschen aus allen Lebensbereichen zu umgeben. Viele „Intellektuelle“, Politiker und erfolgreiche Geschäftsleute, sowie scharenweise „normales“ Volk traten in die Omoto ein. Morihei und Yoichiro, beide ausgewiesene Kampfkünstler, passten sicherlich in diese Kategorien und Onisabuo konnte sich auf sie nicht nur als devote Trophäen verlassen, sondern auch in Hinblick auf die Selbstverteidigung. Onisaburo ermunterte Morihei die Omoto Gläubigen in Daito-ryu zu unterrichten, was er außerhalb seines Hauses in Ayabe, welches bekannt wurde als „Ueshiba Juku“, auch tat.

Die Religion vollzog mit ihren weit verzweigten Aktivitäten stets einen „Drahtseilakt“ wodurch sie die mächtigen Militärs geradezu einlud, ihre unglaublichen Aktivitäten zu drosseln. Das Henkersbeil fiel dann tatsächlich 1921 in dem so genannten „ersten Omoto Zwischenfall“, wo Onisaburo verhaftet und viele Besitztümer der Religionsgemeinschaft zerstört oder konfisziert wurden. Morihei und Yoichiro bestätigten beide die Verwüstungen, obwohl nicht bekannt ist, welche Rollen sie bei den Nachwirkungen der Regierungsattacke gespielt haben.

Sokaku Takeda nach Ayabe

Ein anderes wichtiges Ereignis war der plötzliche Besuch Sokaku Takeda’s mit seiner Familie in Frühjahr 1922. Kontroverse Ansichten herrschen über das „warum und weshalb“ seines Besuches und weder die Aikido-, noch die Daito-ryu-Seite können sich über die Gründe einigen. Eine Theorie lautet, dass es ursprünglich Onisaburo gewesen sei, der die Einladung initiiert habe, möglicherweise um seiner Sammlung an Kampfkünstlern eine weitere Trophäe hinzuzufügen. Tatsache ist, dass Sokaku etwa 6 Monate lang in Ayabe blieb und von Morihei’s Haus aus unterrichtete. Die Schüler des Daito-ryu bestanden hauptsächlich aus Schülern der Omoto Gemeinschaft, es gab aber auch gelegentliche Besuche von Marine Offizieren der Maizuru Basis, die in Nähe, in der Japanischen See gelegen war.

Yoichiro, der zu dieser Zeit in Kameoka war, kam nach Ayabe, um Sokaku zu begrüßen und um ihm während seines neuerlichen Aufenthaltes behilflich zu sein. Yoichiro’s Rückschau auf Takeda’s Besuch in Ayabe verrät einen familiären Umgang, welcher ohne Zweifel eine Fortsetzung dessen war, was einige Jahre zuvor, in Shirataki begonnen hatte, als Ueshiba und Inoue erstmals mit dem Daito-ryu angefangen hatten:

„Ja, er (Sokaku) brachte alle mit. Er brachte seine Frau (Sue), und ihre drei Kinder, die älteste Tochter mit ihrem Jungen und ein Baby. Wir mussten uns um sie alle kümmern. Ich war zu dieser Zeit in Kameoka. Ich ging nach Ayabe, weil ich gehört hatte, dass Takeda Sensei gekommen war. Es wäre nicht recht gewesen, wenn ich nicht sein Bad vorbereitet hätte. Als ich das Bad einheizte, sagte er, `Das Bad fühlt sich gut an heute.’. Aber das konnte eigentlich nicht sein, denn es war noch lauwarm. Er sagte jedoch, es sein gut. Da ich ein Spötter war, murmelte ich nur `Oh, tatsächlich?’.“

Ein weiterer interessanter Umstand während der sechs Monate Sokaku’s in Ayabe, etwas Spezielles, dass man nur schwerlich weglassen könnte, ist, dass die Silben “aiki“ zum „Daito-ryu jujutsu“ hinzugesetzt wurden. Dies geht augenscheinlich auf Onisaburo zurück, der offensichtlich das Daito-ryu auf einem höheren Level sehen wollte, als die gemeine Jujutsu Form. Danach wurden die meisten Einträge in Sokaku’s Kassenbüchern mit „Daito-ryu aiki jujutsu“ getätigt, während zuvor immer „Daito-ryu jujutsu“ verwendet worden war. Das ist auch deshalb wichtig, weil die Hinzufügung des Begriffs „aiki“ in diesem Zusammenhang 1922 richtungweisend für die spätere Namensgebung „aikido“ war.

Yoichiro schränkt seine Trainingspilgerfahrt um 1923 ein, verließ die Omoto und kehrte an seinen Geburtsort Tanabe zurück. Er wollte seine Kampfkunstfertigkeiten in der Welt ausprobieren, und sicherlich hat es auch Druck von Seiten seiner Familie gegeben, an seine Karriere zu denken:

„Als ich 21 Jahre alt war, bekam ich von Reverent Deguchi die Erlaubnis und kehrte an meinen Geburtsort in der Wakayama Präfektur zurück. Um meine Kunst weiter voran zutreiben, begann ich mit großen Ambitionen, dem so genannten mushashugyo. Man weiß nie, ob das, was man erreicht hat, gut oder schlecht, stark oder schwach ist, bevor man es tatsächlich ausprobiert hat. Die Leute in Tanabe nahmen mich auf die leichte Schulter. Aber ich war sehr erfolgreich dort, denn viele Zeitungen kamen, um groß über die Ereignisse zu berichten.

Dann kam Ueshiba Sensei zurück und wir übten zusammen. Ich unterrichtete nicht nur in Tanabe. Ich ging auch zu anderen Plätzen innerhalb wie außerhalb der Präfektur Wakayama.“

Morihei begleitet Onisaburo auf seinem Abenteuer in die Mongolei

Onisaburo hatte mehrere grandiose Pläne zur Verbreitung der Omoto, nicht nur innerhalb Japans, sondern auch im Ausland. Er ging Allianzen ein, mit mehreren religiösen Gruppen im Ausland und hatte auch die Idee eine utopische Nation zu gründen, auf der Basis religiöser Freiheit. Onisaburo wählte die Mongolei als Gebiet für seinen großen Plan und lief im Februar 1924 aus, um seinen großen Plan wahr zu machen, in Begleitung von Morihei Ueshiba und zwei weiteren handverlesenen Männern. Onisaburo’s Partei wurde in den Kampf um die Unabhängigkeit der Mongolei verwickelt und von der regionalen Revolutionsarmee gefangen genommen und zum Tode verurteilt. Nur die Intervention des japanischen Konsulates in letzter Minute und die Angst auf Seiten der Mongolischen Autoritäten, mit der Exekution solch bekannter Japaner einen internationalen Zwischenfall zu produzieren, verhinderte ihren sicheren Tod.

Dies ist eine bekannte Geschichte, die jeder, der sich mit Aikido Geschichte auseinander setzt, kennt. Die schockierende Erfahrung des nahen Todes, schien tief greifende Auswirkungen auf Morihei’s Kunst zu haben und sein Verständnis gegenüber der Rolle des Budo, als Vehikel, sich mit dem Universum in Einklang zu bringen. Yoichiro wird zitiert, er sei ursprünglich ausgewählt worden, Onisaburo in die Mongolei zu begeleiten, aber da er krank geworden war, sei er in letzter Minute durch Morihei ersetzt worden. Bisher hat es dafür keine Bestätigung von unabhängiger Seite gegeben und wir schließen Yoichiro’s Aussage hier nur aus Gründen der Vollständigkeit mit ein.

Morihei und Yoichiro unterrichten in Tokyo

Die nächste Hauptphase in der Entwicklung, die das Aikido hervorbrachte, war der Umzug von Morihei und Yoichiro nach Tokyo. Wie bei so vielen Gelegenheiten zuvor, sind die Beiden unabänderlich, auch in diesem Stadium miteinander verbunden. Der Wechsel des Hauptaugenmerks hin zu Trainingsaktivitäten, war nicht überraschend dank einer Omoto Verbindung zustande gekommen. Einer der eifrigen Daito-ryu Schüler in Ayabe war Vize Admiral Seikyo Asano, der ein jüngerer Kollege von Admiral Isamu Takeshita war. Nebenbei bemerkt war Seikyo der ältere Bruder des berühmten Gelehrten und Physikers Wasaburo Asano, der eine Zeit lang einen enormen Einfluss in der Omoto hatte.

Seikyo sprach glühend von Morihei und dem Daito-ryu zu Takeshita. Der Admiral, ein Langzeit Enthusiast der Kampfkünste, unternahm extra deswegen eine Reise nach Ayabe, um sich von diesem Training zu überzeugen. Dies führte dazu, dass Morihei und Yoichiro auf Einladung Takeshita’s in Tokyo Kurse gaben für wohltätige Leute aus der Geschäftswelt, Politiker, militärische und intellektuelle Kreise. Es scheint so, als wäre Yoichiro seit 1925 ganz in Tokyo geblieben, während Morihei zwischen Tokyo und Ayabe hin und her reiste, bevor er 1927 endgültig mit seiner Familie umzog. Yoichiro berichtet, dass Morihei oft krank war in dieser Zeit und er deshalb die Trainingsverantwortung übernahm. Yoichiro fügt hinzu, dass Admiral Takeshita mehr von ihm gelernt habe, als von seinem Onkel.

Es gab eine Menge Leute an der Seite Takeshita’s, die als Förderer Morihei’s und Yoichiro’s bereit standen. Ein solcher war der Count von Shimazu. Yoichiro beschreibt die frühen Jahre in Tokyo mit folgenden Worten:

„Herr Shimasu hatte ein Herrenhaus in Osaki-cho, wo wir unser erstes Training machten. Während dieser Zeit kam Ueshiba einige Male nach Tokyo. Er war damals krank und schwach. Ich musste mich um ihn kümmern und hatte eine schwere Zeit. Deshalb machte ich die meisten Trainings im Dojo. Von Osaki-cho zogen wir mit dem Dojo nach Mita. Baron Katsuji Utsumi lebte dort und weil seine Villa leer stand, wurde uns angeboten, sie zu nutzen.

So ging ich dann herum und unterrichtete an einigen Orten. Wir unterrichteten nicht nur an einem einzigen Ort in Tokyo. Es war ziemlich schwer für uns, ein Dojo zu bauen und wir mussten viele Schwierigkeiten überwinden. Wie auch immer, wir verdanken alles der Größe meines Onkels, nicht mir.“

Es folgten einige Jahre des Unterrichtens unter verschiedensten Umständen, die dazu führten, dass Morihei und Yoichiro ein dauerhaftes Dojo im Wakamatsu-cho Bezirk von Shinjuku bekamen. Zur Dojo Eröffnung Ueshiba’s 1931, welches als Kobukan bekannt ist, kamen viele Förderer. Einer davon, der bei den Finanzierungsbemühungen eine Rolle spielte, war Yoichiro’s Onkel Koshiro, der zu dieser Zeit einer der reichsten Japaner war. Yoichiro gab später damit an, dass Koshiro’s Geld auch sein Geld sei. Und es sieht so aus, als wenn Zenzo’s jüngerer Bruder, Yoichiro während seiner frühen Tokyo Jahre, regelmäßige finanzielle Unterstützung gewährt hätte.

Ein faszinierendes Foto, das bei der Eröffnung des Kobukan aufgenommen wurde, hat überlebt und zeigt viele berühmte Figuren und natürlich auch Morihei und seine Familie, Yoichiro, Admiral Takeshita, Vize Admiral Asano, General Miura, Minoru Mochizuki, Kenzo Futaki, Hajime Iwata und andere. Yoichiro steht abseits mit gefalteten Armen an eine Säule gelehnt und irgendwie desinteressiertem Blick, ganz im Gegensatz zu den formalen Posen der anderen Anwesenden.

Onisaburo gründet den Budo Senyokai zur Unterstützung Morihei’s

Mit dem Kobukan als Basis seiner Aktivitäten, begann Morihei in den frühen 30-igern, an verschiedenen militärischen Institutionen und in Firmen zu unterrichten. Er wurde unterstützt von Yoichiro und einer Reihe von talentierten uchideshis, wie Kaoru Fanakoshi, Rinjiro Shirata, Shigemi Yonekawa und anderen die einen Teil der Trainingsverpflichtungen übernahmen. Die Kunst selber entwickelte sich weiterhin weg von den eher rigiden Formen des Daito-ryu, hin zu mehr frei fließenden, zirkularen Anwendungen der Technik. Zahlreiche Zeugen aus dieser Zeit bestätigen, dass Yoichiro’s Bewegungen mit denen Morihei’s geradezu identisch waren.

Eine stattliche Anzahl von Übenden aus den frühen Tokyoter Tagen, waren in irgendeiner Art und Weise mit der Omoto Religion verbunden. Beide, Onisaburo und sein Schwiegersohn Hidemaru Deguchi besuchten den Kobukan während dieser Zeit. Im August 1932 wurde eine Organisation mit Namen Budo Senyokai gegründet. (Gesellschaft zur Förderung der Kampfkünste). Ihr Sitz war in Kameoka und sie stand unter der Schirmherrschaft der Omoto Religionsgemeinschaft. Onisaburo übernahm verschiedene Schirmherrschaften, um die Sekte in den unterschiedlichen Gesellschaftsschichten Japans zu verbreiten. Diese spezielle Vereinigung war darauf ausgerichtet, die Kampfkunstaktivitäten Morihei’s und Yoichiro’s zu unterstützen, letztere Vereinigung zu diesem Zeitpunkt bekannt unter dem Namen Yoshiharu. Es gibt einige Fotos aus der Zeit des Budo Senyokai, die Onisaburo, Morihei und Yoichiro abbilden, wie sie zusammen posieren. Diese Dokumente allein beweisen unumstößlich die Beziehung, in der die drei zueinander standen und das Gewicht, das Yoichiro bei der Entwicklung von Morihei’s neuem Budo zukam.

Kampfkunsttrainings wurden in den Anlagen der Omoto Generalvertretungen abgehalten, die es in ganz Japan gab. Tatsächlich führte eine solche Generalvertretung in Iwama, gelegen in der Ibaraki Präfektur dazu, dass Ueshiba dort Grund erstehen konnte. Die Gründung des Budo Senyokai gab Morihei die Möglichkeit landesweit auf ein Netzwerk von Affiliierten zurückzugreifen und erweiterte so die Möglichkeiten seiner Lehrtätigkeit enorm. Yoichiro seinerseits war beschäftigt mit der Eröffnung und dem Betrieb eines Dojo in Takeda, in der Hyogo Präfektur. Er beschreibt seine Aktivitäten während dieser Zeit mit seinen eigenen Worten:

„Ich glaube, es war 1932, als ich anfing durch das ganze Land zu reisen und zu unterrichten. Wir unterrichteten ursprünglich im Ten ‘onkyo in Kameoka. Ich unterrichtete damals, aber wie Sie wissen, sind Kampfkünstler alle übermütige Typen und ich konnte sie nicht bändigen. Deshalb sprach ich mit Reverent Deguchi über dieses Problem.

Er sagte: `Inoue, warum wirst du sie nicht einfach los, indem du sie nach Takeda schickst? Eigentlich wurden sie alle in Kameoka rausgeschmissen!’ Es ist wahr, obwohl gesagt wurde, dass sie nach Takeda geschickt wurden, weil dort ein neues Dojo war. Sie wurden nach Takeda geschickt, weil sie so selbstsüchtig waren. Ich verbrachte nicht viel Zeit in Takeda, ich war meist in Kameoka, wo es noch ein anderes Dojo gab. Zunächst schickte ich 1932 einen meiner Schüler nach Takeda. Er lebt immer noch in Himeji. Er baute in Takeda ein Haus für mich, aber ich blieb hauptsächlich in Kameoka. Von Kameoka aus ging ich in die Kyoto und Osaka Gegend, wo ich Dojos in den Städten eröffnete und unterrichtete.“

Wie man an Yoichiro’s Kommentaren sehen kann, führten die aufregenden Aktivitäten in Verbindung mit dem Budo Senyokai auch zu einer starken Trainingsbasis im Kansai Gebiet. Der anscheinend allgegenwärtige Yoichiro war in diese Anstrengungen direkt eingebunden. Er spielte eine Rolle bei der Eröffnung des Asahi News Dojo in Osaka, dessen Zentrale Figur Takuma Hisa war. Yoichiro unterrichtete regelmäßig, einige Jahre lang, an einem weiteren Dojo in Osaka. Morihei selber verbrachte eine Woche pro Monat in Osaka, wo er Mitte der 30-iger Jahre einen zweiten Wohnsitz erhielt.

Ungeachtet seines vollen Trainingsplans während dieser Zeit, unternahm Yoichiro 1933 eine Reise in die Mongolei, wo er am Daido Gakuin, einer Elite Schule im japanisch kontrollierten Manchukuo unterrichtete. Er besuchte nachweislich auch Korea auf seinem Weg zurück nach Japan.

Zweiter Omoto Zwischenfall schickt Morihei ins Versteck

Mit dem Auftreten des zweiten Omoto Zwischenfalls im Dezember 1935, wo wiederum das Militär die Omoto Religion brutal unterdrückte, kam es zu einem abrupten Halt der Aktivitäten des Budo Senyokai. Viele Omoto Führer, Onisaburo und seine Frau Sumiko eingeschlossen, wurden arrestiert. Die Regierung hatte ebenfalls beschlossen, Morihei als eine leitende Omoto-Figur zu verhaften; dieses Schicksal blieb ihm dank der Intervention eines seiner Osaka Studenten, Kenji Tomita, erspart, der der Polizeichef von Osaka war. Morihei wurde vor dem drohenden Ungemach rechtzeitig gewarnt und für einen Monat lang in ein Versteck gezwungen, bis sich die Angelegenheit wieder beruhigt hatte. Dieser Zwischenfall wurde zum Hauptzankapfel zwischen Morihei und Yoichiro. Inoue fühlte die Omoto Sache von Morihei verraten, denn gemäß seiner hohen Position innerhalb der religiösen Hierarchie, hätte er das Schicksal der anderen Omoto Führer teilen sollen, die von der Staatsmacht gefangen genommen und gefoltert worden waren. Nebenbei bemerkt, wenn der Verfasser einen Höherrangigen der Omoto fragte, warum denn Yoichiro nicht verhaftet worden sei, dann war die humorvolle Antwort: „Er ist keiner von den `großen Käse’ gewesen.“.

Es gab zweifellos weitere Umstände, die sich zu dem Bruch zwischen Morihei und Yoichiro nach dem zweiten Omoto Zwischenfall entwickelten. Tatsache bleibt jedoch, dass sich die Wege dieser beiden starken Persönlichkeiten und, um die Sache noch zu verkomplizieren, Blutsverwandte, seit dem zweiten Omoto Zwischenfall trennten.

Es sind relativ wenige Aufzeichnungen aus den späten 30-igern erhalten, sodass es schwer fällt zu sagten, dass sie überhaupt keinen Kontakt hatten. In jedem Fall ist das erste dokumentierte Zusammentreffen Morihei’s mit Yoichiro 1940 in der Mongolei, bei einer großen Kampfkunstdemonstration in Shinkyo (heutzutage Chang Chun). Morihei’s Partner waren bei diesem Anlass Yoichiro, der den Namen Seisho benutzte und Shigemi Yonekawa.

Seit 1942 bis über 1955 hinaus, befand sich Morihei im Teilzeit-Ruhestand in Iwama, einem Dorf in der Ibaraki Präfektur. Nach dem Krieg wurde Yoichiro in Tokyo aktiv, wo er begann, U.S. Luftwaffen Offiziere zu unterrichten. Später nach dem Korea Krieg betrieb er ein Dojo in Yoyogo Hachiman, wo beide, eingeschriebene Männer und Offiziere trainierten. Er nannte seine Kunst „Aiki Budo“, den Vorkriegsnamen weiterbenutzend. Inoue reiste sogar nach Hawaii, Los Angeles und Mexiko, während zweier Reisen in den Mittfünfzigern und den frühen Sechzigern. 1956 gab er eine Demonstration in der Yomiuri Halle und begann seine Kunst Shinwa Taido zu nennen. Einige Jahre später nannte er sie Shin`ei Taido, so wie ihr Name bis heute lautet.

Yoichiro’s Zusammenarbeit mit Morihei fand nach dem Krieg nur gelegentlich statt. Es gibt ein interessantes Foto von den Beiden um 1960. Gleichermaßen hatte Yoichiro, der nach dem Krieg besser unter dem Namen Hoken und später unter Noriaki bekannt war, sehr wenig mit dem Aikikai Honbu Dojo in Shijuku, nach dem Tode Morihei’s 1969, zu tun. Inoue unterrichtete bis zum Ende seines Lebens, bevor er am 13. April 1994 in seinem Haus in Kunitachi im gesegneten Alter von 92 Jahren starb.

Gewichten historischer Berichte

In ihrem späteren Leben standen sich Morihei und Yoichiro kritisch gegenüber. Ihre gegenseitigen Vorurteile sind auf ihre Verwandten und Studenten übergegangen und als gemeinsame Gesprächsthemen erhalten geblieben, wenn es um die Beziehung der beiden untereinander geht. In den frühen Zwanzigern hatte Morihei mit Zenzo, infolge eines Streits über den Kredit eines Verwandten, ein Zerwürfnis. Dies wurde mir in einem privaten Treffen mit Kisshomaru 1996 berichtet, dem sehr unwohl bei der Erinnerung an diese Geschichte war. In einem unveröffentlichten Interview mit Morihei, in dem er über seine Erfahrungen in Hokkaido spricht, versäumt er es den Namen auch nur eines einzigen Inoue zu erwähnen, ungeachtet der Tatsache, welche wichtige Rolle diese Familie bei den Anstrengungen um die Besiedlung Hokkaido’s einnahm. Morihei’s immer wiederkehrende Auseinandersetzungen mit Yoichiro waren legendär und kehrten über Jahrzehnte immer wieder. Das Endergebnis ist, ob nun bewiesen oder nicht, dass Yoichiro’s Name von orthodoxen Aikido Historikern eliminiert wurde und daher den meisten der heutzutage Übenden unbekannt ist.

Verständlicherweise empfand Inoue Bitterkeit, ob einer solchen Behandlung und war harsch in der Beurteilung seines Onkels und dessen Kampfkunstfähigkeiten. In Gesprächen mit Inoue schien es oft so zu sein, dass er seine Rolle in der Entwicklung des Aikido übertrieb bis zu dem Punkt ihn als Mitbegründer des Aikido anzusehen. Während das möglicherweise eine Überbewertung der Dinge in die andere Richtung ist, bleibt jedoch die gewichtige Verlinkung zwischen den Beiden überwältigend. Die Ueshibas und Inoues waren durch Blutsbande und gemeinsame Ziele, über Jahrzehnte verbunden. Es ist unvorstellbar, dass Morihei, Aikido ohne die Hilfe der Inoues hätte erschaffen können. Mit dem Tode dieser beiden Kampfkunst-Größen und dem heilenden Effekt der Zeit, kommen wir vielleicht zu einem ausgewogeneren Herangehen an die tatsächlichen Rollen, die Morihei Ueshiba und Yoichiro Inoue bei dem Entstehen eines wahrhaft spirituellen Kampfkunstsystems gespielt haben, dessen Ziel es ist, Frieden unter allen Völkern der Erde zu schaffen.

Epilog

Dem Verfasser ist es gelungen, Inoue Sensei 1981 zum ersten Mal zu treffen. Eine Vorbedingung für dieses Treffen war, dass ich einige `old-timer’ aus der Kobukan Zeit mitbrächte. Am 9. Dezember traf ich Inoue in seinem Haus in Tokyo, in Begleitung von Shigemichi Yonekawa und Zenzaburo Akazawa. Auf den Erinnerungen dieses Treffens basierend und Dank der Differenzierungen Herrn Yonekawas’ und Herrn Akazawas’, die Person Inoue Senseis’ betreffend, wurde es offensichtlich für mich, welche wichtige Rolle er bei der Entwicklung des Aikido gespielt hatte.

Unser nächstes Treffen, welches sich als sehr schwierig zu organisieren herausstellte, fand im August 1986 statt. Ich hatte Glück genug, ihn während der nächsten zwei Jahre, noch bei vielen anderen Gelegenheiten zu treffen. Während dieser Zeit hatte ich immer einen Kassettenrekorder zur Hand und eingeschaltet, um jedes mögliche Bruchstück unserer Konversation einzufangen, mit dem ich später historische Fakten und die `Perlen der Weisheit’ zu Tage bringen konnte.

Ich besuchte 1987 das jährlich stattfindende Shin`ei Taido Seminar in Kameoka und war in der Lage, das meiste davon auf Video aufzunehmen. Den Aiki News wurde auch gestattet, Inoue Sensei in seinem Dojo in Nakano aufzunehmen, wo er eine besondere Ansprache hielt und eine Demonstration zeigte. Schließlich sponserte Aiki News eine höchst erfolgreiche Shin`ei Taido Demonstration am 24. April 1988, an welcher, vor ausverkauften Publikum 500 Menschen teilnahmen.