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Über die Verbreitung des Aikido im Ausland

von Kisshomaru Ueshiba

Aiki News #16 (January 1976)

Übersetzt von Stefan Schröder

In der letzten Zeit haben sich die Beziehungen Japans mit anderen Ländern in mancherlei Hinsicht verbessert. Japans Produkte haben auf vielen ausländische Märkten einen festen Platz. Egal wohin man auf der Welt auch geht, japanische Touristen sind schon da. Die Bande zwischen Japan und fremden Nationen betreffen nicht nur den ökonomischen Sektor, auch die japanische Kultur und anderes Japanisches findet regen Anklang. Wer hätte von diesem starken Austausch vor dem Pazifischen Krieg (=2. WK), als ich noch ein junger Mann war, auch nur zu träumen gewagt?

Der Fortschritt der Zivilisation hat unser Konzept von Zeit und Raum grundlegend verändert. Die Zeit, die man während der Edo-Periode für eine Reise von Tokyo nach Kyoto benötigte reicht heute aus, um mehrmals die Welt zu umrunden. Das ist auch beängstigend, wenn man genauer darüber nachdenkt. Und der Mond, in früheren Zeiten ein religiöses Objekt, ist zu einem Gegenstand geworden.

Als ich 1937 und 1938 die Mittelschule besuchte, gab es fast gar keine Ausländer, die Aikido erlernten. Wenn sich wirklich einmal ein Ausländer für das Training anmeldete, so war dies gleich das Tagesgespräch. Kürzlich hatte ich das Vergnügen anläßlich der Erstellung eines Artikels für diese Zeitung (“Aikido Shimbun”) mit Takamasa Yoshizaka zu sprechen. Vor vielen Jahren hatte sein Vater einmal den amtierenden italienischen Botschafter mit zum Training gebracht. Sogar in einer großen Tageszeitung erschien ein Artikel deswegen. Ich erinnere mich sehr stolz gewesen zu sein, dass ich, ein Mittelschüler, einige seiner sehr direkten Fragen beantworten konnte. Doch die Zeiten haben sich geändert und heute ist die völlige Abwesenheit von Ausländern in unserem Dojo die Ausnahme.

In Zeiten wie den heutigen, in denen sich alles in alle Richtungen fortentwickelt, wird man leicht von den Dingen der äußeren Welt abgelenkt, es sei denn, man verfügt über eine festverwurzelte Selbstdisziplin, welche wiederum auf starken Überzeugungen beruht. Die Menschen nehmen wahr, dass bei der Verbreitung der japanischen Wege und Künste die Essenz dieser Dinge gewahrt bleiben muss. Früher glaubten viele, dass jeder aus Japan kommende “Do” (Weg, Pfad) durch die bei der Transplantation in das Ausland hervorgerufenen Veränderungen zwangsläufig seinen japanischen Charakter verlöre.

Man sollte nicht vergessen, dass des Menschen wertvollste Eigenschaft sein Geist ist. Die einzige Weise auf der die Menschheit zum Glück finden kann, ist durch das “Aufpolieren der Geistes”. Aikido wird von vielen Anhängern und Enthusiasten geübt, weil es eine hervorragende Möglichkeit zur Verbesserung der eigenen Persönlichkeit darstellt. Es ist wichtig das harte Training zu durchleben, dass zu einen starken Zentrum führt. Ohne dieses starke Zentrum agieren Körper und Geist nicht als eine Einheit und die Essenz des Aikido kann nicht verstanden werden. Dies gilt auch für das Aikido, wie es jetzt auf der ganzen Welt verbreitet wird. Wenn seine Quelle vernachlässigt wird, dann ist es wie ein Fesselballon, dessen Seile man zerschneidet und es wird das gleiche Schicksal erleiden wie ein Traum. Heute führen überall in der Welt im Hombu-Dojo ausgebildete Lehrer ihr ernsthaftes Studium fort. Mit fortschreitendem Training wird das unsichtbare Band, das sie mit dem “Do” verbindet, stärker und stärker. Ich erbete und wünsche aus tiefstem Herzen, dass diese Welt von großartigen Individuen und Gesellschaften bewohnt wird.

Übersetzt von Stanley A. Pranin und Shoji Takimoto. Dieser Artikel war am 11. November 1975 der Leitartikel der “Aikido Shimbun”, der offiziellen Publikation des Aikido-Hauptquartieres in Tokyo.