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Der Geist des Aikido: Der Erlernen, Erfühlen und Weitergeben der Essenz

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von Dennis Clark

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Übersetzt von Stefan Schröder

“Um den Körper und den Geist zu schützen ist es wichtig, die Hände, die Füße und die Hüften in Einklang und Harmonie mit dem Geist zu bewegen. Desweiteren ist der Gebrauch der Hände ein kritischer Faktor beim Führen anderer, aber auch wenn man geführt wird. Führe mit der einen Hand und kontrolliere mit der anderen. Bemühe Dich dies zu verstehen. In dem Augenblick in dem Dein Gegner beabsichtigt zu drücken, lade ihn ein, reize ihn zu drücken, verführe seinen Geist zu drücken, noch bevor er es ausführt. Mit fortschreitendem Training sollte es Dir möglich sein Dir die Schwächen Deines Angreifers zu Nutze zu machen, sie zu erkennen, noch bevor er selbst dies tut.

Finde seine Öffnungen, bevor er es tut. Mit anderen Worten, enthülle Öffnungen wo er sich nicht angemessen verhält und wende dort Deine Technik an. Das Finden dieser Öffnungen ist der Weg des Aiki” Morihei Ueshiba, O-Sensei

Es folgen Ausschnitte aus Sunamadori-Senseis Lehre während eines Aiki Manseido Yudansha-Seminars am 3. Oktober 2004 in Kumamoto, Japan.

Das Studium von Kokyu durch den Gebrauch der Hände

Der Begründer lehrte: “Durch den Gebrauch der Hände kann Kokyu (Atem/Rhythmus) wahrhaftig verstanden werden.” Durch die Hände kann das Kokyu des Angreifers gelesen werden. Das Üben anderer Techniken ist fruchtlos, wenn nicht verstanden wurde, wie sich die Atemkraft durch die Händen manifestiert. Erst wenn Du verstehst Dir Kokyu durch die Hände zu Nutze zu machen, kannst du es in verschiedenen Techniken nutzen, sei es an der Schulter, dem Ellenbogen, einem Finger oder am Kragen.

Der Augenblick des Kontakts

In der Vergangenheit bauten die Techniken stark auf die Anwendung von Atemi (Stößen und Schlägen), bevor eine Technik gegen einen körperlich überlegenen Angreifer ausgeführt wurden. Tatsächlich jedoch sind Schläge in derartigen Fällen viel zu langsam. Die Techniken werden nicht funktionieren, wenn Du Dich nicht vollständig mit Deinem Angreifer verbindest, von dem Moment an, in dem er Dich berührt.

Der Zustand unseres Herzens zeigt sich durch unsere körperliche Technik

Die Effektivität einer Technik läßt sich im Augenblick des Kontakts bestimmen. In diesem Moment kannst Du die körperliche Kraft Deines Angreifers ermessen, seine Fähigkeiten und auch sein Herz und seine Gedanken lesen. Um dies zu erreichen, darfst Du nicht im mindesten die Absicht haben ihn umher zu schubsen. In jeder Situation musst Du Dich bei der ersten Berührung Deinem Angreifer völlig anvertrauen. Dies wirklich zu tun ist ein Problem, dessen Lösung in Deinem Herzen und Geist liegt. Der Begründer sagte ausdrücklich: “Das Reich des Körpers darf keinen Vorrang genießen.” Dies bedeutet, dass der Geist den Körper bewegt. Wenn Du dies wahrhaft verstehst, verschwindet der Zusammenhang zwischen dem physischen Körper und der Leistung der Technik. Trotz meines recht fortgeschrittenen Alters kann ich noch mit euch 70 oder 80 Leuten trainieren. Es wäre unmöglich meine Techniken auszuführen und Euch zu werfen, wenn ich auf körperliche Kraft angewiesen wäre. Wenn Du Dich Deinem Gegner völlig anvertraust, kannst Du ihn mit Leichtigkeit werfen, egal welcher Angriff. Wenn Dein Gegner Deinen Arm greift, dann sollte Dein Arm so entspannt sein, dass er - ließe Dein Gegner los - von seinem eigenen Gewicht nach unten fällt. Ist der Arm derart entspannt, kann der Angreifer keine Technik anbringen.

Eine friedliche Welt durch Training in den Kampfkünsten

Der Geist ist am wichtigsten. Diejenigen, die sich auf ihre physische Stärke verlassen sind dazu verdammt, wiederum derartige Stärke zu erleiden. Der Versuch Widerstand zu vermindern führt zu Umständen wie derzeit im Irak. Anderen mit einer aggressiven Geisteshaltung zu begegnen und durch physische Mittel oder mit Waffen wird immer zu Verbündungen der Opposition führen. Sich solcher Mittel zu bedienen führt in den Herzen unserer Gegner zu dem Wunsch nach Rache. Der Begründer predigte uns, die Kampfkünste dazu zu benutzen, eine Welt frei vom Kampf zu erschaffen. Er sprach davon “unsere Gegner auszulöschen” und davon ” eine wundervolle Welt aufzubauen”. Diejenigen von uns, die Aikido üben, müssen diesen Worten des Begründers folgen und dem Geist, den er uns überlassen hat.

Meister Sunamadori sagt oft, dass “der stärkste Geisteszustand der ist, der nicht kämpft” und “sich völlig mit dem Partner zu verbinden”. Jedesmal, wenn ich Meister Sunamadoris Handgelenk ergreife, bin ich von der Wahrnehmung ergriffen und überzeugt, dass dies nicht nur hehre Worte sind, sondern etwas, dass sich wahrhaftig durch unsere physischen Körper manifestiert. Wenn man das Handgelenk von Meister Sunamadori festhält und seine Technik spürt, dann kreischt man nicht auf vor Schmerz. Stattdessen erfährt man einen Moment Verwirrung, gefolgt von einem Lächeln.

Während jedes Seminars üben wir oft Techniken, bei denen der Gegner das Handgelenk ergreift. Während dieser Seminare ist der Schwerpunkt der Trainings das Erfühlen der Verbindung zwischen Nage und Uke. Durch diese Form des Trainings werde ich immer wieder auf schmerzhafte Weise an meine Unreife erinnert. Derzeit empfinde ich genau diesen Aspekt des Trainings als den sowohl interessantesten, als auch den frustrierendsten.