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Training, Training und Training

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von Peter Goldsbury

Published Online

Übersetzt von Stefan Schröder

Letztes Wochenende hat Hiroshi Tada hier in Hiroshima ein Seminar abgehalten. Meister Tada ist wahrscheinlich der letzte noch aktive Aikikai-Hombu-Shihan mit dem 9. Dan. Seine Aktivität zu sehen, die er trotz seines Alters von 73 Jahren an den Tag legte, gibt uns Hoffnung (falls wir die richtigen Schritte tun). Es war zudem eine gute Gelegenheit, um über ein Thema zu sinnieren, welches George Ledyard in einem seiner früheren Artikel ansprach. In diesem Artikel ging es um das Erreichen des Niveaus der eigenen Meister.

Das Seminar von Tada-Sensei dauerte zwei Tage und war öffentlich. Zum Einstieg absolvierten wir die von Meister Tada bekannten Atemübungen, darauf eine Reihe von grundlegenden Schrittfolgen, gefolgt von Grundtechniken. Meister Tada zeigte immer zwei oder drei Variationen und baute immer auf dem vorher Gezeigten auf. Das “Hauptmenü” bestand aus dem Angriff Morote-dori gegen zwei Angreifer. Die Demonstrationen der Techniken, zu welchen Meister Tada Ukes heranzog, die er vorher noch nicht kannte, waren begleitet von detaillierten Erklärungen, warum wir was taten, von Erinnerungen an sein Leben als Deshi des Gründers und von Berichten von O-Senseis Training. Am zweiten Tag wiederholten wir diesen Ablauf, wobei das “Hauptmenü” nun aus Tachi-dori bestand, welches natürlich auf den Morote-dori-Techniken des Vortages aufbaute.

Während des Seminars dachte ich über einige der Fragen nach, die kürzlich in einigen Foren aufgekommen waren. Die Ukes von Tada-Sensei versuchten so gut wie möglich zu kooperieren, denn Ukemi für ihn zu vollführen ist wie in einen Strudel zu geraten und es war schwierig für die Ukes mit dem Meister Schritt zu halten. Was wäre geschehen, wenn die Ukes nicht kooperiert hätten? Während eines kürzlich abgehaltenen Sommer-Seminars konnte ich dies beobachten: Es war als versuchte man mit einem Mähdrescher zu üben. Was soll man davon halten, wenn ein älterer Shihan sich an seinen fortgeschrittenen Yudansha misst? Tada-Sensei hat in Italien und Japan fortgeschrittene Schüler (d.h. mit dem 7. Dan), aber ich denke, dass dies nichts damit zu tun hat, sich aneinander zu messen. Aber ich bin ziemlich sicher, dass falls sie (die Ukes) es versuchten, sie versagen würden.

Genauso wie die verstorbenen Seigo Yamaguchi und Sadateru Arikawa hat Tada-Sensei weder Bücher geschrieben, noch kommerzielle Videos produziert. Der einzige Weg sein Aikido zu erleben ist mithin seinen Unterricht zu besuchen. Vor einigen Jahren erzählte Tada-Sensei mir offen, dass mit seinem Tod sein Aikido mit ihm stürbe und so solle es auch sein: Es liegt an jedem Übenden, etwas einzigartiges aus seinem/ihrem Leben und Training zu machen. Dies war die Antwort auf eine Frage, die mich schon für einige Jahre beschäftigt hatte: Was hatte er als direkter Schüler des Gründers getan, um das Erbe weiterzugeben, zur Vorbereitung auf die Zeit, wenn er einmal nicht mehr da sein würde?

Was an Tada-Sensei hervorsticht - ebenso wie bei Arikawa-Sensei, nur auf völlig andere Weise - ist die absolute Hingabe an das Training und der Ausdruck dieser Hingabe auf der Matte. Ich glaube, sie sahen dies als eine wichtige Folge ihrer Lehre beim Begründer und sie ließen nie darin nach, nicht einmal eine Minute, was wahrscheinlich der Grund dafür ist, dass ihnen der Ruf vorauseilt abwesend, ernst und unnahbar zu sein. Aber das ist es was sie zeigen: Ein Leben, welches einer besonderen Vision gewidmet ist, welche sich weniger in Worten als in der Übung ausdrückt. In meinen Augen sind diese Obsession und Hingabe auch die Kernaspekte des Lebens des Gründers selbst. Ein Leben als Gabe an die Kami.

Können wir gleiches erreichen wie Tada oder Arikawa? Betrachtet man das Aikido als Training, eine komplexe Aktivität, die im Erwerb von Gewohnheiten liegt, so ist die Antwort “Ja”. Die vielleicht wichtigere Frage ist jedoch: Würden wir dies wollen?

Hinweis: Dieser Artikel erschien ursprünglich als Weblog.