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Interview mit Morihiro Saito

von Stanley Pranin

Aiki News #88 (Summer 1991)

Übersetzt von Franziska Hochwald

Der Hüter des Aiki Schreins, Morihiro Saito, begann mit Morihei Ueshiba in Iwama im Jahr 1946 zu trainieren, im Alter von 18 Jahren. Während seiner Jahre als Uchideshi lernte Saito Sensei Jo und Schwerttechniken direkt vom Begründer. In diesem Interview, das im März 1991 geführt wurde, spricht Saito Sensei über seine Erfahrungen mit O-Sensei, seine erste Zeit beim Aikikai, sein eigenes Dojo und seine Trainingsmethoden.

Morihiro Saito Sensei 1991

Herausgeber: Nicht viele unserer Leser wissen, dass Sie lange Zeit als Shihan beim Aikikai in Tokio unterrichtet haben. Würden Sie uns einige Ihrer Erinnerungen aus dieser Zeit erzählen?

Morihiro Saito: Ich unterrichtete beim Aikikai ein Mal pro Woche, außer in der Zeit 1961, als Ueshiba Sensei mit Nobuyoshi Tamura nach Hawaii ging. Wir waren knapp an Lehrern, also habe ich in deren Abwesenheit zweimal wöchentlich unterrichtet. Von dieser Zeit abgesehen habe ich vor allem sonntags unterrichtet.

Während Ihrer Sonntagsklassen haben Sie nach dem Taijutsu-Training Ken und Jo unterrichtet, nicht wahr?

Ja, mit O-Senseis Erlaubnis habe ich die letzten 15 Minuten des Trainings Waffen unterrichtet.

War die derzeitige Sanjuichi-Jo (31er Jo Kata) vor Senseis Tod bereits vollständig entwickelt?

Ja, als ich die die Kata lernte, war sie schon vollständig, aber als Koichi Tohei Sensei (Oberhaupt des Shinshin Toitsu Aikido) zum trainieren nach Iwama kam, war sie noch nicht ganz fertig. Was er lernte, unterschied sich von dem, was ich lernte, wahrscheinlich weil O-Senseis Art zu Unterrichten noch nicht vollkommen entwickelt war. Als ich unter O-Sensei lernte, schloss sein Unterricht alle Waffentechniken ein, auch die Kumitachi. Es gab ein Stadium, in dem außer mir keiner mehr in Iwama war, also trainierte ich alleine mit O-Sensei. Sein Unterricht wurde immer ausgefeilter.

Der Begründer Morihei Ueshiba mit Morihiro Saito, um 1955

Haben Sie in Tokio die Kumijo unterrichtet?

Nicht wirklich, außer ein paar Leuten an seltsamen Orten, wie den Dächern von Gebäuden. Ich unterrichtete den Jo als 27 oder 28-Bewegungs-Form aber landete schließlich bei der 31er Form weil ich fand, dass sie für die Schüler leichter zu verstehen ist. So wie mein Aikido inzwischen „Iwama-Stil“ genannt wird, blieb auch der „Sanjuichi-Jo“ Name, den ich dieser Kata gab.

Was müssen Aikidoka von Übersee tun, wenn sie nach Iwama kommen wollen, um dort zu trainieren?

Sie sollten sich ein Empfehlungsschreiben von jemandem besorgen. Dann sollten sie mindestens zehn Tage lang bleiben. Wenn sie nicht aus einem Dojo kommen, das direkt bei uns angegliedert ist, wäre es schwierig, in einem einwöchigen Aufenthalt etwas zu lernen, und solche Leute verlassen unser Dojo vielleicht ohne irgendetwas zu verstehen und reden schlecht von uns. Für meine eigenen Schüler ist eine Woche genug, aber für Leute einer anderen Schule ist mindestens ein zehntägiger Aufenthalt notwendig. Weniger könnte kontraproduktiv sein.

Zum Beispiel im Fall der Studenten von der japanischen Universität, die während ihrer Sommerferien zum Training nach Iwama kommen. Ihre Hüfte ist überhaupt nicht richtig trainiert, also muss ich ihre Hüftbewegungen jeden Morgen im Waffentraining korrigieren. Schließlich fangen sie eine Woche bevor sie gehen an, ihre Hüfte korrekt einzusetzen, gerade wenn ich kurz davor bin sie aufzugeben. Sie brauchen drei Wochen um diese grundlegende Sache zu kapieren. In zehn Tagen ist es nicht leicht, aber diejenigen, die aus dem Ausland nach Iwama kommen, sind prima Leute und trainieren hart.

Wie verbringen die Uchideshi in Iwama ihre Zeit?

Das Dojogelände ist ziemlich weitläufig und kann nicht auf einmal gereinigt werden. Wenn sie morgens aufstehen, reinigen sie zuerst ihre eigenen Räume, dann das Trainingsgelände, und dann fegen sie sorgfältig vor dem Schrein. Im Sommer muss das Gras gemäht werden, also helfen sie mir manchmal mit dem Power Rasenmäher. Es wäre für mich allein unmöglich, den Ort sauber zu halten, also helfen die Schüler natürlich beim Putzen. Als Ergebnis ihrer Bemühungen ist der Schrein immer sauber gehalten. Ohne diese Arbeit wäre ihr Leben bequemer, aber sie haben alle Geduld, es sind prima Leute und es gab keine Klagen.

Unterrichten Sie immer noch jeden Morgen Waffen?

Ja, so ist es. Die Schüler machen auch freies Training. Es gibt viel Platz im neuen Dojo, und sie können nach Belieben Kata üben. Ich freue mich dass ausländische Schüler Freude am Trainieren im neuen Dojo haben, aber wir betrachten das Originaldojo immer noch als den Hauptort und ziehen ihn fürs Training vor, wann immer es möglich ist.

Innenansicht des neuen Iwama Dojos

Trainingslager (Gasshuku) gibt es im Iwama Dojo schon seit vielen Jahren, nicht wahr?

Sie finden schon seit O-Senseis Zeiten statt. Er freute sich immer, wenn er hörte, dass ein Trainingslager stattfinden sollte. Als Vorbereitung für diese Lager machten wir immer unsere eigenen Futons (Bettzeug). Jede Nacht nach dem Training nähten wir Futonbezüge und stopften sie mit Baumwolle aus.

Ich bin überrascht so etwas zu hören! Wie viele Schulen sind heutzutage bei den Trainingslagern dabei?

Wir haben die Hirosaki Universität aus der Aomori Präfektur und Tohoku Frauen-Universität, beide aus Nordjapan, die Tokushima Universität aus Shikoku, und andere wie die Präfektursuniversität Osaka, die Iwate Universität, die Tohoku Universität, die Tohoku Gakuin Universität, Miyagi Präfektursuniversität für Erziehung, die Kanagawa Universität und die Nihon Universität. Weil sie alle gleichzeitig kommen, im März, ist es nicht leicht sie alle unterzubringen.

Sind das kombinierte Trainingslager?

Ja, wenn die Vereine unter demselben Shihan organisiert sin. Zum Beispiel wenn die Aichi Medizinische Universität ein Trainingslager durchführt, macht auch die Kanagawa Universität mit.

Der Aiki Shrine in Iwama, um 1988

Das erste Mal reisten Sie 1974 ins Ausland um zu unterrichten und seitdem sind Sie fast jedes Jahr auf Reisen, vielleicht mehr als jeder andere Shihan?

Es gibt viele Einladungen, die ich nicht ausschlagen kann, obwohl ich nur Dojos besuche, die von meinen eigenen Schülern geleitet werden. Aber derzeit versuche ich so viel wie möglich hier zu bleiben, wegen der großen Anzahl der Schüler hier und zum Wohl derer, die Iwama besuchen um zu lernen.

Geschichtlich betrachtet denke ich, Aikido wurde aus Situationen entwickelt, in denen ein Samurai sein Schwert nicht benutzen konnte. Einige Kritiker sagen, dass Aikido nicht gegen moderne Kampfsysteme wie das Karate funktioniert. Was denken Sie darüber?

Aikido umfasst Tanto Dori (Entwaffnen mit Messer), Tachi Dori (Entwaffnen mit Schwert) und Jo Dori (Entwaffnen mit Jo). Wenn man es bei solchen Techniken zulassen würde, dass die Waffe den Körper berührt, würde man getötet. Dagegen tötet ein Schlag oder Fußtritt nicht sofort, außer man trifft eine lebensgefährliche Stelle. Beim Schwert genügt ein leichter Kontakt, um ernsthaft zu verletzen oder zu töten; dennoch üben wir, wie wir uns mit der bloßen Hand gegen ein Schwert verteidigen können. Wenn wir das immer im Kopf behalten, ist es wertvolles Training.

Denken Sie, dass Aikido ohne Atemi gegen einen starken Angriff effektiv sein kann?

Aikido schließt den Atemi mit ein, obwohl Training nicht dasselbe ist wie die Realität, also führen wir im Dojo keinen vollen Atemi aus. Im Taijutsu ist der Atemi ein zentrales Element, auf das wir in unserem Dojo eine starke Betonung legen.

Meine Erfahrung ist, dass Atemi heutzutage nicht in vielen Dojos unterrichtet wird, aber in seinen Filmen sehen wir, dass O-Sensei oft Atemi benutzte.

Aikido wird inzwischen auf viele verschiedene Arten unterrichtet, und es ist gut von verschiedenen Lehrern zu lernen. Wir sollten unseren Schülern nicht verbieten zu anderen Lehrern zu gehen. Es gibt einige shihan die um so etwas einen Wirbel machen, aber ich denke sie irren sich.

Im Aikido wird der Atemi gegen Angriffe mit der Waffe verwendet, denken Sie dass es für Aikidoka wünschenswert wäre zu lernen, wie man mit Karate-Fußtritten fertig wird, wo doch heute Angriffe in Karate-Manier oft verwendet werden?

Ja, ich denke das sollten sie. Das sollte man nicht vermeiden. Es gibt viele grundlegende Techniken, die uns befähigen können mit Karate fertig zu werden, wie Tsuki und Yokomenuchi.

Eine Gruppe, die von einigen meiner Schüler ins Leben gerufen wurde, macht eine Form der Verteidigung gegen Karate-Angriffe, die recht interessant ist. Ein Mann mit dem 4. Dan in beidem, Aikido und Judo, weicht den Karate Angriffen aus und tritt ein um den Angreifer mit hervorragender Ausführung von Aikido-Techniken zu werfen oder zu verhebeln. Ich würde auch empfehlen, Techniken wie Yokomen Uchi und Tachi Dori viel zu üben.

Der Herausgeber Stanley Pranin im Interview mit Saito Sensei 1991

Sie legen großen Wert auf Waffen und bauen Ihren Unterricht auf den Prinzipien des Schwerts auf. Was denken Sie über die derzeitige Situation im Aikido anderswo?

Ich kenne kein anderes Aikido als O-Senseis. Ich wurde von O-Sensei unterrichtet seit ich 18 war bis zum Alter von 41 und diente ihm in derselben Weise wie ein Hausschüler, also kenne ich keine anderen Lehrer. Viele Shihan entwickeln neue Techniken und ich denke, das ist eine wunderbare Sache, aber wenn ich diese Techniken analysiere, bin ich immer noch überzeugt, dass niemand O-Sensei übertreffen kann. Ich denke, es ist das Beste, den Formen zu folgen, die er uns hinterließ.

Heutzutage neigen die Leute dazu, ihren eigenen Weg zu gehen, aber solange ich damit zu tun habe, werde ich weiterhin die Techniken und Formen machen, die O-Sensei uns hinterließ.

Sie erwähnten zuvor, dass Schüler ihre Hüften nicht genügend einsetzen. Könnten Sie genauer erklären, worin die Bedeutung der Hüften im Training liegt?

Der Begründer sagte, der Schlüssel zur wirkungsvollen Hüftarbeit sei in den Beinen, und die Arbeit des Gehirns beruhe auf den Armen. Das bedeutet, die Hüften können nicht stabil sein ehe nicht die Beine einen guten Stand haben. Deshalb bestehe ich darauf, dass meine Schüler ihren hinteren Fuß auf Linie mit dem vorderen Fuß halten, wenn sie im Hanmi stehen. Es ist falsch den hinteren Fuß von dieser Linie weg zu bewegen. Obwohl es in Ordnung sein kann, sich ein Hanmi anzugewöhnen, bei dem der hintere Fuß dicht am vorderen steht, denke ich, ein Hanmi mit standhaften Beinen ist das Beste.

Wenn man sich schnell nach hinten dreht und dabei den vorderen Fuß auf der Linie lässt, sollte man dazu in der Lage sein, wieder im Hanmi-Stand herauszukommen. Aber wenn die Füße nicht auf einer Linie sind, wird man nicht wieder weich im Hanmi herauskommen, nachdem man sich um 180 Grad gedreht hat, ohne die Position des hinteren Fußes zu korrigieren. Man wird die Kontrolle verlieren und die Bewegung wird sich verlangsamen. Neuerdings habe ich eine starke Betonung auf das Hanmi gelegt, auch wenn es vielleicht nicht gut ist, sich zu sehr darauf zu konzentrieren. Immer wenn mir ungeschickte Bewegungen bei den Schülern auffallen, sehe ich, dass ihre Füße falsch positioniert sind.

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